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dass Marx den Mehrwert immer wieder als „Ausbeutung“ — also alsBeute, Raub — bezeichnet, deutet auf die Beeinflussung seinswissenschaftlich-psychologischer Probleme durch ethisch-politische Hintergedanken. Sohaben auch die Marxisten — trotz Marxens Einspruch — die Mehrwert-lehre immer wieder als Argument für den politischen Sozialismus benützt.
Im Gegensatz zur Lehre des I. Bandes lässt bekanntlich der III. Banddes „Kapital“ in der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft die Warennicht zu ihrem Arbeitswert, sondern zu ihren Produktionspreisen ver-äussert werden, womit das Wertgesetz aus dem Bewusstsein der wertendenund preisbildenden Individuen verschwindet. Wie es trotzdem „hinterihrem Rücken“ wirksam wird, ist eine Doktorfrage, die Marx seinen Schülernaufgegeben und die zu „Vereinigungsversuchen“ geführt hat, wo offen-kundiger Zwiespalt der Lehre zugegeben werden sollte. Von diesemMehrwert, wie die Marxisten ihn festhalten, gilt der Satz: „Le roi regne,mais il ne gouverne pas“; nach Engels ist er sogar gestorben. Dennfür Engels hat das Marxische Wertgesetz fünf bis sieben Jahrtausende,von den Anfängen des Austausches der Waren bis zum Aufkommen derkapitalistischen Produktion, als ökonomisches Gesetz geherrscht. Aber Marxwill ja im I. Band das Gesetz gerade der modernen, kapitalistischen Wirt-schaftsordnung entwickeln, „nicht als regulatives Prinzip“, sondern alstatsächlich herrschendes Naturgesetz in der Art, wie Newton mit demGravitationsgesetz die Bewegung der Himmelskörper erklärt hat.
Bekanntlich ist die Marxische Lehre seitdem durch die subjektiveWertlehre überholt worden, wobei jedoch wichtige Bestandteile der älterenArbeitswerttheorie in die neue Lehre eingearbeitet werden können. Indieser Hinsicht ist auf die Schriften sowohl der Grenznutzentheoretikerals ihrer Gegner, wie insbesondere Dietzels, zu verweisen. Da es sichhierbei um Fragen handelt, welche mit dem Marxismus im engeren Sinnnichts mehr zu tun haben, so ist in vorliegendem Zusammenhang dieserGegenstand nicht weiter zu verfolgen.