„ewigen Rechte“, die oben hangen unveräusserlich 91 . Selbst ein Mehringerklärt den „Glauben an die Macht des Guten “ für „Selbstverständlich-keit“ — die Macht des Guten? Wahnwitziges Paradoxon gegenüberdem nach mathematischen Bewegungsgesetzen dahin rollenden Natur-mechanismus 92 .
In dem Zukunftsstaat unserer Sozialdemokraten, dem wertvollstenBestandteil ihrer ganzen Theorie, leben die Kant und die Fichte. Fürsie zeugt der Schatten Lassalles, der als glühender Verehrer Fichtes demkantischen Denken erheblich näher stand als Marx und der orthodoxeMarxismus ".
Kritik. Der Marxismus will Politik sein; er bedarf dazu der Grund-lage einer Ethik. Keine Ethik ohne Dualismus zwischen Sein und Wert.Denn im Sein ist weder der Maßstab noch die Verbindlichkeit der Werteenthalten. An Stelle des Monismus materialistischer oder spiritualistischerArt (Marx, Hegel) bedarf der Sozialismus also einer dualistischen Ethik,welche, wie die Ethik Kants, die Verbindlichkeit wechselnder Sitten-gesetze und Parteiprogramme prüft und begründet — ähnlich wie dieLogik die Verbindlichkeit des Denkens feststellt. Ist letztere die Vor-aussetzung der Wissenschaft, so ist erstere die Voraussetzung der Politik.In beiden Fällen handelt es sich um jene Bändigung und Gestaltung derNatur, welche das Tier erst zum Menschen macht, indem sie ihm dieFähigkeit verleiht, sich selbst Kulturzwecke zu setzen. In beiden Fällenstehen lediglich formale Maßstäbe der Vernunft in Frage, welche — ent-gegen Hegel — erst durch die „Erfahrung“ Inhalt gewinnen. Mit demMonismus fällt zugleich Marxens Intellektualismus. Marx scheitert, indemer das „Soll“ als naturnotwendig „beweisen“ will. Der Zukunftsstaatverliert verbindliche Kraft, wenn er als unabwendbares „Muss“ — etwawie die vom Astronomen vorhergesagte Sonnenlinsternis — feststeht.Kein Sozialist würde zu seiner Herbeiführung auch nur den kleinen Fingerrühren. Denn alles Handeln ist an den Widerstand einer „stumpfen“Welt gebunden. Es hat zur Voraussetzung die grundsätzliche Beschränktheit