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Marx oder Kant : Rede, gehalten in d. Kunst- u. Festhalle am 9. Mai 1908 bei d. öffentl. Feier d. Übergabe d. Prorektorats d. Univ. Freiburg i. Br.
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ewigen Rechte, die oben hangen unveräusserlich 91 . Selbst ein Mehringerklärt denGlauben an die Macht des Guten fürSelbstverständlich-keit die Macht des Guten? Wahnwitziges Paradoxon gegenüberdem nach mathematischen Bewegungsgesetzen dahin rollenden Natur-mechanismus 92 .

In dem Zukunftsstaat unserer Sozialdemokraten, dem wertvollstenBestandteil ihrer ganzen Theorie, leben die Kant und die Fichte. Fürsie zeugt der Schatten Lassalles, der als glühender Verehrer Fichtes demkantischen Denken erheblich näher stand als Marx und der orthodoxeMarxismus ".

Kritik. Der Marxismus will Politik sein; er bedarf dazu der Grund-lage einer Ethik. Keine Ethik ohne Dualismus zwischen Sein und Wert.Denn im Sein ist weder der Maßstab noch die Verbindlichkeit der Werteenthalten. An Stelle des Monismus materialistischer oder spiritualistischerArt (Marx, Hegel) bedarf der Sozialismus also einer dualistischen Ethik,welche, wie die Ethik Kants, die Verbindlichkeit wechselnder Sitten-gesetze und Parteiprogramme prüft und begründet ähnlich wie dieLogik die Verbindlichkeit des Denkens feststellt. Ist letztere die Vor-aussetzung der Wissenschaft, so ist erstere die Voraussetzung der Politik.In beiden Fällen handelt es sich um jene Bändigung und Gestaltung derNatur, welche das Tier erst zum Menschen macht, indem sie ihm dieFähigkeit verleiht, sich selbst Kulturzwecke zu setzen. In beiden Fällenstehen lediglich formale Maßstäbe der Vernunft in Frage, welche ent-gegen Hegel erst durch dieErfahrung Inhalt gewinnen. Mit demMonismus fällt zugleich Marxens Intellektualismus. Marx scheitert, indemer dasSoll als naturnotwendigbeweisen will. Der Zukunftsstaatverliert verbindliche Kraft, wenn er als unabwendbaresMuss etwawie die vom Astronomen vorhergesagte Sonnenlinsternis feststeht.Kein Sozialist würde zu seiner Herbeiführung auch nur den kleinen Fingerrühren. Denn alles Handeln ist an den Widerstand einerstumpfenWelt gebunden. Es hat zur Voraussetzung die grundsätzliche Beschränktheit