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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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fisch deutsche Form der Staatswissenschaft, die Kameralistik, d. h.die Sammlung aller der Kenntnisse, welche für fürstliche Amts-leute, Gutsverwalter und Finanzbeamte nötig waren« 13 ). Inseinerausgezeichneten Monographie Wilhelm von Schröders sieht v.Srbikin der Kameralistik »des Merkantilismus eigenstes Produkt, eineZweckmäßigkeitswissenschaft, die den Nutzen und den täglichenökonomischen Bedarf des Staates und indirekt auch des Volkesim Auge hat; sie ist erfüllt von jenem Realismus, wie ihn dannFriedrich Wilhelm I. von Preußen, der Begründer der erstenkameralistischen Lehrstellen ... oft so drastisch zum Ausdruckgebracht hat«, es ist aber jene »ältere Kameralistik, die tatsächlichan die fürstliche Kammer sich heftet und die Lehre von der Finanz-verwaltung mit der Lehre der Volkswirtschaftsverwaltung ver-eint« 14 ). Daher sieht Srbik im Kameralismus auch nur eine »Be-amtendisziplin« und kann so den verfehlten Ausdruck einer »Zweck-mäßigkeitswissenschaft« gebrauchen, denn wie kann es eine Wissen-schaft der Zweckmäßigkeit geben? Ebensowenig einleuchtendwill mir die Lehre einer »Volkswirtschaftsverwaltung« erscheinen. Der Franzose Villeneuve-Bargemont gibt uns auch nichtsNeues mit seiner Bemerkung: »Cette classe de Sciences que lesAllemands ont appelees Camerales, du nom des chambres administra-tives qui existent dans toute lAllemagne et qui pour objet principalla surveillance et le bon emploi des revenus publics« 16 ). Bren-tano betont mehr das privatwirtschaftliche Moment: »Je mehraber die von den einzelnen Privatwirtschaften erhobenen Steuernaus einer außerordentlichen zur ordentlichen Staatseinnahme wurden,wurde es von Interesse, diese Privatwirtschaft zu fördern, aus derenErträgen man schöpfen konnte. Daraus erwuchsen die Kameral-wissenschaft und die Schriften der nichtdeutschen Merkantilisten,d. h. Privatwirtschaftslehren im Hinblick auf die Steigerung derStaatseinnahmen abgefaßt. So entstand eine auf Betrachtung derPrivatwirtschaften basierte Staatswirtschaftslehre« 16 ).

Diese kurze Übersicht über die Geschichtswerke konntekeine Lösung des Problems bringen, deshalb müssen auch diesystematischen Werke herangezogen werden.

Schmoller berichtet, daß die ersten kameralistischen Pro-fessuren errichtet wurden, um die Kammerbeamten für ihre Ver-waltungstätigkeit besser vorzubereiten. Die ganze Literatur dieserZeit habe einen politisch und verwaltungsrechtlichen Charakter,»die allgemeine psychologische Voraussetzung ist zumal bei denKameralisten die Dummheit des Pöbels, der Schlendrian selbst der