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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Kaufleute« 17 ). Die meisten systematischen Werke gehen auf dieKameralisten kaum oder gar nicht ein. Philippovich widmetihnen drei Zeilen: »In Deutschland war im 18. Jahrhundert diewissenschaftliche Untersuchung wirtschaftlicher Fragen in derKameralistik ganz zu einer praktischen Wirtschaftskunde insbe-sondere vom Standpunkt der mit der Verwaltung staatlicher Wirt-schaftsbetriebe betrauten Beamten erstarrt 18 )«, und wirft ganztypische Kameralisten*), wie Seckendorf und Becher, ohne weitereszu den Merkantilisten 19 ). Nicht viel anders verfährt H. v. Scheelin seinem Artikel »Die Politische Ökonomie als Wissenschaft« inSchönbergs Handbuch, er spricht den volkswirtschaftlichen Schriftender Epoche des Merkantilismus die Bedeutung ab, die höchstensnoch den Vertretern der »Kameralwissenschaft« 20 ) zukäme. Ähn-lich urteilt Contzen 21 ). Nur in zwei Systemen der Volkswirt-schaft finde ich eine eingehendere Würdigung jener altenDeutschen. Zunächst bei Roscher in seinem »System der Volks-wirtschaft«. Mit Recht geht er hier historisch vor, so sagt er:»Das Wort Kameralwissenschaft kann man nur aus der Geschichtedes Kammerwesens erklären«; »die bedeutendsten Männer, welcheim 17. Jahrhundert über Kameralsachen geschrieben haben, dringenlebhaft darauf, daß neben der fiskalischen Seite auch die wirt-schafts-polizeiliche von den Kammern gepflegt werde«. »Allmäh-lich fing man an, die für Kameralbeamte nötigen Kenntnisse . . .als eine eigene Doktrin zusammenzufassen«; die Kameralwissen-schaft setzt er gleich der »Privatökonomik« 22 ). Auch bei ihmhandelt es sich also um die Kameralwissenschaft, mag es nuneine solche geben oder nicht; das zu erörtern ist hier nicht derOrt. Wie in seinen geschichtlichen Darlegungen betrachtet erstets die Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege. Ähnlich ver-fährt Gustav Cohn in seinem »System der Nationalökonomie«,wenn er auch tiefer eindringt. Er zweifelt an der Wissenschaft-lichkeit dieser Zeit und sagt treffend: »Es ist die Epoche, die derwissenschaftlichen der deutschen Literatur vorausgeht.« Nicht mitUnrecht behauptet er: »Entstanden im Dienste des privatwirt-schaftlichen Betriebes der Staatshaushaltungen, um nützliche An-wendungen zu geben über die Erzielung höchst möglicher Erträgefür die fürstliche Kammer, verbindet diese Gelehrsamkeit, je weiter

*) "Weshalb Seckendorf und Becher »typische Kameralisten« sind, wird noch zubeweisen sein. Ich muß bei dieser literarischen Übersicht mit Begriffen operieren, dieich erst später definieren kann, doch läßt sich dieses Verfahren nicht vermeiden.