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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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nur die Vorläufer, sie werden deshalb auch von ihm keineswegserschöpfend behandelt.

So hat denn der Überblick über die deutsche Literatur nurdas eine klar ergeben, daß die Begriffe über die Kameralistenabsolut nicht klar sind, und daß sie in der Literatur bisherkümmerlich behandelt wurden.

Ziehen wir das Fazit aus all den angeführten Äußerungen,so sehen wir, daß wir zu keiner genauen Definition derKameralisten kommen; die einen sprechen vonKameralWissenschaft,die andern von Kameralismus oder Kameralistik, ohne daß klargeworden wäre, ob wir es hier mit gleichen oder verschiedenenBegriffen zu tun haben, Den meisten ist Kameralismus der In-begriff der zur Kammerverwaltung notwendigen Kenntnisse, istdie Kameralwissenschaft, wie Oncken sagt, eine »praktische Be-amtendisziplin«. Natürlich ist das alles nicht falsch, aber es er-schöpft, es definiert den Begriff nicht gut genug. Auch herrschenüber die Entstehung des Kameralismus die abweichendstenMeinungen, und die meisten sehen sie nur in einer rein äußerlichenTatsache: der Gründung der Hofkammern durch Maximilian I. ,ohne kausal vorzugehen und zu prüfen, wie es dazu kam. Ebensofehlt die Trennungslinie zwischen Kameralisten undMerkantilisten; wir sehen aus der gegenwärtigen Literaturnicht klar, ob und was diese beiden Kategorien etwa voneinanderschied. So mußte einmal der Versuch gemacht werden, eine ein-gehende Darstellung dieser Dinge zu geben.

Als diese Arbeit schon begonnen war, erschien das ersteausführliche Werk über die Kameralisten: »The CameralistsThe Pioneers of German Social Polity« von Albion W.Small in Chicago . Es bedurfte also eines Amerikaners, der noch dazu in englischer Sprache zuerst ein Buch über dieKameralisten schrieb. Mit großem Fleiße, bei dem besonders zubewundern ist, wie der Engländer sich in die altdeutschen Schriftenvertieft hat, gibt Small auf 600 Seiten eine eingehende Darlegungder Kameralisten von Osse bis Sonnenfels, und wäre damit er-schöpfend, wenn ihm nicht die Darlegung Hornigks fehlte, dessenWerke er (eigentlich wunderlicherweise) nicht erhalten konnte.Sein Vorhaben ist es, in Amerika das Verständnis für Deutschland zu wecken, dessen sozialer Organismus aber nicht ohne Betrachtungseines geschichtlichen Werdegangs verstanden werden könne. Smallsieht einen großen Unterschied zwischen der deutschen und deramerikanischen Staatsauffassung. Der Deutsche ist Kollektivist,