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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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17. Jahrhundert« übertragen wurde. Auch Nielsens Ziel ist keinrein nationalökonomisches; er folgt ähnlichen Gedankengängen wieSmall und vor allem Marchet, von dem er unstreitig stark be-einflußt ist. Seine Aufgabe ist es, wie er sagt, »den Einfluß, denrömische und griechische Schriftsteller, in erster Linieaber Aristoteles , auf die Entstehung der deutschen Kameral-wissenschaft ausgeübt haben, nachzuweisen« 48 ). Er gibt daherauch keine eingehende Würdigung der einzelnen Kameralisten.Seine Absicht ist es, die herrschende Anschauung zu widerlegen,daß die Kameralisten nur Praktiker waren und den Geistesinhaltdes Kameralismus aufzuspüren. »Den Kameralismus im Gegen-satz zum Merkantilismus als eine Wissenschaft für Beamte auf-fassen, das heißt seine Aufmerksamkeit nur auf etwas rein Äußer-liches richten« 49 ). Er zeigt, wie man durch den Humanismus zuden griechischen und römischen Schriftstellern des Altertums kam,wie das römische Recht und Aristoteles Politik sich geltendmachten. »Die römische und die griechische Staatsauffassungringen miteinander« so ). Besonders durch Bodin kommen diegriechischen Ideen nach Deutschland , und »der ältere Kameralis-mus stand im Zeichen des Aristoteles « 61 ). Dieser Einfluß war sogroß, daß selbst Leute, die als typische Praktiker galten, wie Becher,Hornigk und Schröder, ihm unterworfen waren. So ist ihm dennder Kameralismus eine Staatsauffassung, denn er behauptet,»die Auffassung vom Verhältnis des Staates zu den verschiedenenErwerbszweigen, welche der Zeit durch Aristoteles Politik ein-geflößt wurde, kommt zum Ausdruck in dem älteren Kameralis-mus, ja ist sogar identisch mit ihm« 52 ). Aufgabe dieses Staateswar es, die Geld- und Volksmenge zu vermehren. Was er unterälterem Kameralismus eigentlich versteht, sagt er nicht klar; seienwir uns doch »des Willkürlichen, das an jedem Namen klebt«bewußt. »Bei den älteren kameralwissenschaftlichen Schriftstellerndenken wir an die, welche jetzt gewöhnlich Vorläufer der Kamera-listen heißen« 63 ). Der Kameralist ist ihm der Beamte. »Wie nahees auch liegt, das Wort Kameralismus von Rentenkammer ab-zuleiten, war jedoch ein Kameralist um die Mitte des 17. Jahr-hunderts dasselbe wie ein »Politikus« oder vielleicht richtiger einpraktischer Politikus. . . . Ursprünglich bedeutete Kameralist alsonicht einseitig einen Finanzmann, sondern mehr allgemein einenStaatsmann oder Verwaltungsbeamten; erst gegen Ende des 17.oder im Anfänge des 18. Jahrhunderts entwickelt sich ein engererGebrauch des Wortes, indem mit Entwicklung der Staatsleitung