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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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eine besondere Rentenkammer entsteht, die gewöhnlich Kammergenannt wird; das schon vorhandene Wort Kameralist hiermit inVerbindung zu setzen, mußte nahe liegen« 54 ). Dann identifizierter die Begriffe »Kameralist« und »deutscher Merkantilist«:»Wo die merkantilistischen Schriftsteller anderer Länder mit demLand und der Nation zu rechnen und für sie zu arbeiten hatten,mußte man in Deutschland mit den Kleinstaaten rechnen.« »Wares nicht vielleicht die deutsche Kleinstaaterei, welche bewirkte, daßsich der Merkantilismus hier zu einer Wissenschaft für Beamte ent-wickelte« 55 ). So überträgt er die Auffassung vom Merkantilismusauf den Kameralismus, obwohl er mit Recht sagt: »Soweit bekannthat man nirgends versucht, klar zu präzisieren, worin der Unter-schied zwischen dem Kameralismus in Deutschland und dem Mer-kantilismus in anderen Ländern eigentlich bestand« B6 ). Aber erwill das Problem auch nicht lösen, und er kann es gar nicht.Darin liegt eben der Fehler seiner Arbeit, daß sie starkeinseitig ist. Die historische Entwicklung ist ihm nichts,der Einfluß des Aristoteles alles. Daß noch viele andereEinflüsse in sehr bedeutender Weise mitsprachen, übersieht er ganz.Er geht eben nur von philosophischen und juristischen Schlüssenaus, deshalb fehlt seiner sonst treffenden Definition der Kamera-listen die ökonomische Seite. Doch wird davon noch zu sprechensein. Durchaus mit Recht sieht er in dem Merkantilismus keinSystem und bekämpft die Auffassung von Adam Smith und seinerSchule, aber so flüssig wie er die Grenze zwischen dem älterenund dem Neu-Merkantilismus läßt, so auch zwischen alten undneuen Kameralisten. Außer eingehender Würdigung der Steuer-probleme fehlen dem Buche völlig die ökonomischen Betrach-tungen.

Die Darlegung der Werke von Small und Nielsen hat alsoergeben, daß noch viele Lücken auszufüllen sind. Problem bleibtnoch immer eine Definition des Begriffes »Kameralist«, weil dasökonomische Moment dabei vernachlässigt wurde. Ebensowenigsehen wir über den Unterschied zwischen alten und neuen Kamera-listen klar. Ihr Wesen werden wir nur verstehen, wenn wirwissen, was die causa movens war. Sie mit den deutschen Mer-kantilisten zu identifizieren, ist für die meisten eine Annahmea priori. Hier bedarf es zunächst der Untersuchung: wir müssenaber den Merkantilismus selbst genau kennen, wenn wir daraufweiterbauen wollen.