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herrschenden Meinungen zu gruppieren, um sie besser bekämpfenzu können*). Daß er, der Individualist und Kosmopolit, geradedem Merkantilismus feindlich gesinnt war, ist erklärlich, doch zeigter sich in diesem Kampfe als sehr einseitig, und man wäre ver-leitet, anzunehmen, er habe die Literatur seines eigenen Landesnicht besonders gekannt, trotzdem er in so vielem auf den Schulternseiner Vorgänger steht. Leser meint zwar 12 ): »Die tatsächlichenUnterlagen für all diese Erörterungen konnte Smith nur seinerüberaus umfassenden Belesenheit in den Quellen und Bearbei-tungen der Geschichte der Gesetzgebung und der wirtschaftlichenVerhältnisse verdanken. Die betreffenden Abschnitte sind in ersterLinie Arbeiten der Gelehrsamkeit, worin die eigenen Gedankendes Schriftstellers nur das zusammenfassende und ordnende Prinzipabeeben.« Neu wäre bei ihm der Versuch, »die verschiedenenLehren miteinander in Verbindung zu bringen und aus einemeinheitlichen Gesichtspunkte aufzufassen.« Mit Recht sagt er auch,Smith habe die größte Beeinflussung von denen empfangen, dieden Versuch schon vorher machten, den Physiokraten. Das würdealles für seine geringe Originalität sprechen und zeigen, daß ertrotz der »Gelehrsamkeit« und »umfassenden Belesenheit« einseitig
*) Smith war übrigens nicht der erste, der gegen merkantilistische Ideen inEngland ankämpfte. So ist schon Nicolas Barbon (1640—1698) ein Gegner derHandelsbilanzlehre, indem er die vermeintliche Anschauung, Gold und Silber seien dieeinzigen Reichtümer des Landes, bekämpft. Nur ein unfehlbares Symptom gäbe es,den Reichtum zu erkennen: »that is when the Inhabitants grow more populous, whenthey enlarge and new build their Cities and Towns, and when they increase their Shipsand Naval Strength« (A Discourse concerning coining the New Money lighter, S. 51/52).Hie Zollhausbücher und die Wechselkurse ergeben, meint er, keinen Anhalt für denStand der Handelsbilanz. Barbon ist Anhänger der Freihandelsidee. Das Verbot derFremdwareneinfuhr sei unsinnig, denn die Mode führe zum Handel: wolle jemand west-fälischen Schinken, dann werde er nicht englischen essen, falls er ersteren nicht erhalte.Gewinne eine Klasse von Handeltreibenden durch die Ausschließung der anderen, soverliere die Nation stets an Zöllen und notwendigen Arbeitskräften. Den Wert leiteter vom Nutzen ab, Gold und Silber hätten keinen inneren Wert. — Von Grund aufwiderlegt erst David Hume (1711— 1775 ) die Handelsbilanztheorie. Auch er sagt, dieBerechnung beruhe auf einem schwachen Fundamente. Dann bekämpft er das merkanti-listische Ideal, das Geld im Lande zu vermehren. Auch wäre es unmöglich, diesesZiel durch Handelsbeschränkungen zu erreichen. Die Handelsbilanzlehre beruhe auf einemfalschen Prinzip, und falsch sei auch die Annahme, des einen Nutzen sei des andernSchaden, im Gegenteil: »I will venture to assert, that the increase of riches and com-merce in any one nation, instead of hurting, commonly promotes the riches and com-merces of all it neighbours«. (Essays and Treatises on several subjects, 1764, I, 361).Smith folgt in seiner Bekämpfung der merkantilistischen Ideen fast durchweg den Ge-dankengängen Humes u ).