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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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ein Zeichen des Reichtums das Zuströmen vielen Geldes wahr.Man zog daraus die Schlüsse: um reich zu sein, müsse man vielGeld haben, um dieses zu erhalten, müsse man Handel treibenund zwar äußeren Handel, indem durch diesen das Geld ins Landkomme. Von den übrigen Zweigen der Volksbeschäftigung schätzteman die Manufakturindustrie, da sie die Gegenstände zum Aus-fuhrhandel liefern muß; die Landwirtschaft und sonstige Abtei-lungen der Stoffgewinnung ließ man in den Hintergrund treten« 29 ).Neu ist nur, daß Kudler noch ein besonderes »Prohibitiv-System«konstruiert, das dem Merkantilsystem folgte und dessen InhaltWareneinfuhrverbote und hohe Zölle sind 30 ).

Mit den liberalen Ideen des 19. Jahrhunderts und demKampfe um den Freihandel werden die Angriffe gegen das Mer-kantilsystem immer schärfer. So operiert Max Wirth in seinen»Grundzügen der Nationalökonomie« mit ähnlichen Argumentenwie Blanqui. Nach seiner Meinung ist Karl V. der Urheberdieses Schreckens, denn »wegen der Beschränktheit seiner wirt-schaftlichen Begriffe wurden alle verkehrten ökonomischen An-schauungen seiner Zeit zum Maßstab der Llandelspolitik erhobenund zu einem System vereinigt.« »Alle Maßregeln der Staats-ökonomie wurden dahin gerichtet, das Geld zu vermehren, ohneRücksicht darauf, ob dadurch die Produktion selbst erschwert odererleichtert werde.« Die Ausfuhr sollte die Einfuhr übersteigen,die Differenz wurde die Handelsbilanz genannt. »Die Staats-regierungen gingen nur zu leicht auf den Irrtum ein und be-wahrten ihn hartnäckig.« Nun sei aber das Geld wie das Wasser,das von dem Ort, wo es angestaut sei, dahin laufe, wo wenig vor-handen wäre; und wie bei jeder anderen Ware müsse der Preisvon Gold und Silber, wo es sich zu stark anhäufe, sinken und um-gekehrt 31 ). Man wäre fast verleitet, zu behaupten, die Abstrusitätder Anschauungen über den Merkantilismus wachse mit demQuadrat der Entfernung von Adam Smith . Als Beweis dafürkönnte uns der Artikel von Emminghaus dienen. Nach seinerMeinung entsteht der Merkantilismus mit den Entdeckungen unddem Hereinströmen des vielen Edelmetalls. Die Merkantilistensähen nicht auf den Wohlstand der Menschen, sondern nur aufihren Besitz, das erkläre ihre Maßregeln. Aber, so meint er, »mandachte nicht an die ungeheuerlichen Konsequenzen dieser Annahme.Eine Schiffsmannschaft wird auf eine wüste Insel verschlagen. Sierettet nichts von dem Schiffe als ihr Leben und eine große Kistevoll Gold und Silber. Es fehlt den Leuten an allem . . . aber sie