wechsle. Wenn Neumann eine Verwechslung von Volks- undPrivatwirtschaft tadelt, weil man »eine Tatsache, welche in derEinzelwirtschaft gilt, auf die Volkswirtschaft anwendete und denorganischen Charakter der Volkswirtschaft von dem unorganischender Einzelwirtschaft nicht unterschied« 35 ), so begegnet er sichhierin mit Bischof, der meint, die Merkantilisten hätten »dieBedeutung des Geldes mehr vom privatwirtschaftlichen als vomvolkswirtschaftlichen Gesichtspunkte aus betrachtet«, und dieshätte alles andere bestimmt. Für nicht unwichtig aber hafte ichseine Äußerung: »Die Merkantilisten haben allerdings nicht be-
hauptet, daß ein Volk ausschließlich im Geldbesitz den Reichtumerblicken müsse.« Auch muß er zugeben, daß die Theorie »denBedürfnissen des im Beginn der Neuzeit zur Herrschaft gelangtenabsoluten Staates und seinem Prinzip der Zentralisation nach innenund außen« entsprochen habe 36 ).
Wir haben nun, bei Adam Smith beginnend, eine ganzeKette von volkswirtschaftlichen Schriftstellern betrachtet, um ihreStellungnahme zum Merkantilismus kennen zu lernen, und gesehen,daß sie sich alle um ihren Lehrmeister scharen und ihm durchausin der Verurteilung dieses Systems folgen. Doch werden wirauch in der neuen Literatur noch Autoren finden, die unbedingtzu der Smithschen Richtung zu zählen sind, und die man dahergewissermaßen als »Gegner« des Merkantilismus ansehen kann.Zu ihnen möchte ich Conrad und Leser rechnen. Conradsagt 37 ): »Da nun kein Schriftsteller die gesamten Anschauungenwidergibt und sie sämtlich vertritt, will man die Existenz desSystems leugnen. . . . Doch mit Unrecht.« »Es fand eine Beur-teilung und Behandlung der Volkswirtschaft vom privatwirt-schaftlichen Standpunkt« aus statt. Das zeige sich auch in derBeurteilung des Geldes, der Sorge für eine gute Handelsbilanzusw. Leser leugnet die Existenz eines S}-stcms; sei doch derMerkantilismus der »Inbegriff einer Anzahl wirtschaftlicher Grund-anschauungen« ; die »nicht von bestimmten Schriftstellern ausge-dacht und auch von keinem einzigen zusammenhängend und insystematischer Form auseinandergesetzt wurden. Denn daß darinetwas Eigentümliches lag, kam dem Zeitalter, in dem sie herrschten,überhaupt nicht zum Bewußtsein.« Diese Anschauungen waren,wie er meint, »bei Beurteilung vorliegender praktischer Fragennur Hilfsmittel«. Daher erkläre sich oft die Verschiedenheit »imMaße des merkantilistischen Charakters« der einzelnen. Um dieihnen eigentümlichen Anschauungen zu präzisieren, stellt Leser