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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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sieht List darin, »daß es den Wert der eigenen Manufakturen undihren Einfluß . . . auf die Macht der Nation klar erkennt«, daß esdie richtigen Mittel zur Erlangung einer nationalen Industriewählt, und daß es damit kommt er dem Kernpunkt sehr nahe »von dem Begriff der Nation ausgeht, und, die Nationen alsEinheiten betrachtend, überall auf die Nationalinteressen und-Verhältnisse Rücksicht nimmt« 39 ).

Auf Friedrich List folgt in den fünfziger Jahren Robertvon Mohl in seiner »Geschichte der Staatswissenschaften«; ihmist »der Merkantilismus . . . der erste Versuch, die Grundsätze derWirtschaftslehre wissenschaftlich zu begründen«, er gibt ihm allevon Smith aufgestellte Prinzipien, doch sagt er: »damit ist nochnicht entschieden über den relativen Wert, welchen er für Zeitund Umstände haben konnte und auch wirklich hatte« 40 ). Vondem gleichen Gedanken geht H. von Mangoldt aus. Er bleibtbei den Smithschen Thesen, aber er meint, »weit schwieriger alsdie Unhaltbarkeit jene Lehre ... zu begreifen«, sei es einzusehen,»daß sie überhaupt aufkommen und die geistreichsten Männer derZeit beherrschen konnte«. Man könne nicht einfach sagen, »manhabe eben die Begriffe des Privatlebens auf Völker und Menschenübertragen«. Erst dann werde uns die merkantilistische Auffassungverständlich und damit sucht Mangoldt sie als der Zeit ent-sprechend zu begreifen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wiedie Aufgabe . . . der Volkswirtschaft damals als eine ganz andereerschien wie heutzutage. Denn damals, »wo aus dem Boden, dernach langem Kampfe festgestellten großen Völkerstaaten die moderneStaatsidee mächtig emporkeimte«, da lag sie, »lediglich in der Ge-währung der möglichst reichen Mittel für den Staat oder, da derenEinigungspunkt ausschließlich in dem Fürsten erblickt wurde,für diesen« 41 ).

In ähnlicher Weise argumentieren auch die beiden altenHistoriker der Nationalökonomie, Kautz und Roscher. Sieschließen sich Adam Smith zwar an, wenn sie seine Thesen billigen,aber sie meinen doch, daß der Merkantilismus seiner Zeit guteDienste geleistet habe. Auch darin gehen sie einig, daß er ihnender Anfang der wissenschaftlichen Wirtschaftsbetrachtung ist. Sosagt Kautz: »Die Theorie des Merkantilismus ist viel verhöhntworden, aber man übersah, daß sie den Bestrebungen der Zeitentsprach, daß ihre Forderungen durchaus berechtigt waren.« . . .Jedenfalls hat der Merkantilismus auch vom wissenschaftlichenStandpunkt seine große Bedeutung und Berechtigung« 42 ). Was