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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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sei, daß ihr Grundsatz, den Reichthum des eigenen Landes aufdie Armut der übrigen zu gründen schon deshalb sehr gefährlichsei, weil die gegen das Ausland empfohlenen Maßregeln auchdiesem zu Gebote ständen . . . alle diese Einwendungen lassensich machen, beziehen sich jedoch lediglich auf die Würdigungder ökonomischen Aufgaben der altliberalen Schule und nicht aufdie zu ihrer Lösung vorgeschlagenen Mittel. Diese letzteren be-dürfen einer rein ökonomischen Prüfung und sind . . . zum größtenTeil richtig« 51 ). Die Liberalen irren, wenn sie die Ausfuhrverboteedler Metalle und die Abbrechung des Verkehrs mit den Ländern,zu deren Gunsten sich die Handelsbilanz entscheide, für merkan-tilistische Politik ansehen; mache doch die Lehre von der Handels-bilanz überhaupt keinen wesentlichen Bestandteil des Merkantilis-mus aus. Seine praktische Betätigung verdanke er hauptsächlichColbert, dessen Grundsätze Mario in 30 Regeln zusammenzufassensucht. Noch einmal hebt er hervor, daß »der merkantilistische Staatam besten gedeiht, wenn alle mit ihm in Verbindung stehendenStaaten das Gegenteil von dem thun, was er selbst thut« 52 ).

Adolf Held , der in den 60er Jahren über das Merkantil-system schreibt, begegnet sich mit Mario in der Verurteilung dernationalen Ideen der Merkantilisten; erschien doch sein Buch zuder Zeit, da der Freihandel seine höchsten Triumphe feierte. Es»ist nicht zu verkennen«, sagt er, »daß sich ein durchgehendesStreben geltend gemacht hat, die industrielle und kommerzielleÜbermacht des Inlandes über das Ausland zu begründen eineÜbersetzung des Weltbeherrschungsgedankens ins Kleinliche undKrämerhafte, die, so abgeschwächt und modifiziert sie bei ein-zelnen Merkantilisten erscheinen mag, jedenfalls ein dem Merkan-tilismus eigentümlicher ökonomischer Irrtum bleibt.« Gegen dieSmithschen Behauptungen wendet sich Held mit Schärfe: »DasGeld wurde zwar allerdings, namentlich von den älteren Merkan-tilisten, überschätzt: dennoch herrscht nirgends mehr eine reineMidas- Anschauung, sondern wir haben entweder Reste der altenrohen Volksmeinung, . . . oder es handelt sich um eine im Verlaufder Darstellung eingeschlichene Ungenauigkeit des Ausdrucks, derzufolge Geld und Güter verwechselt werden, oder endlich die Über-schätzung des Geldes ist kein selbständiger Grundgedanke, sondernnur eine Konsequenz anderer einseitiger Lehren.« »Mit mehr Rechtkann man«, meint er, »die Rücksicht auf die günstige Handels-bilanz als ein Hauptmerkmal des Merkantilsystems betrachten, ob-wohl auch diese Lehre in der späteren Entwicklung des Systems