nur mehr die alte, gleiche Form für veränderte Grundgedankenwar« 63 ). Mit den Entdeckungen und Erfindungen entstand diesSystem, das wir nur unter der Würdigung der politischen Ver-hältnisse verstehen könnten. Etwas sehr weitherzig verfährt Heldmit der Abgrenzung des Merkantilismus: nennt er einerseits all»die Männer, die schon im 16. Jahrhundert über das Geld ge-schrieben haben, unbedenklich der Kürze des Ausdrucks halberdie ersten Merkantilisten« 64 ), erscheint ihm Sully als ein »Merkan-tilist des Ackerbaus« 66 ), so zählt er andererseits noch Schriftstellerdes 18. Jahrhunderts, nur weil sie irgendwelche wirtschaftlicheAnschauungen mit den Merkantilisten teilen, zu ihnen.
H. J. Bidermann (1870) hat das Verdienst, die ökono-mische Seite des Merkantilismus unter wesentlich neuen Ge-sichtspunkten gesehen zu haben: das Programm der Mer-kantilisten heißt ihm Erhaltung der Volkswohlfahrt. Siewußten, »daß Wohlstand bei einem Volke nur dann herrscht, wenndas Vermögen und der Bedarf seiner einzelnen Angehörigen jeder-zeit zueinander im richtigen Verhältnisse stehen, d. h. sich decken.Je allgemeiner dies zutrifft, desto entwickelter, desto verbreiteterist der Wohlstand, desto wirksamer ist des Volkes Reichtum. Jenesrechte Verhältnis setzt aber zweierlei voraus: 1. daß das jeweiligeVerbrauchserfordernis überhaupt existiert; 2. daß dasselbe demdanach Verlangen Tragenden immer rechtzeitig zugänglich ist.«Nun könnte man zwar alles im Lande selbst herstellen, doch wäredies oft schwer möglich, deshalb müßte auch für den Tausch pro-duziert werden. Zu jeder Produktion sei Geld nötig, das sich aberkeineswegs stets da einstelle, wo man es brauche, deshalb müssees oft künstlich herbeigeschafft werden. Der Staat könne hierbeiOpfer verlangen, als er es ja sei, dem das Geld seine Geltungverdanke. Aber noch wichtiger als der Tauschwert des Geldesim Privatverkehr sei seine »Brauchbarkeit als Nationalgut, dasden Warenumsatz vermittelt und die Kapitalienansammlung be-fördert« 66 ). Das wäre nach Bidermanns Meinung ungefähr derExtrakt aus den Schriften der Merkantilisten. Er legt den Tonauf die Bedeutung des Geldes als Zirkulationsmittel. DieMerkantilisten meinten, an Käufern fehle es, weil es an Geld fehle,denn wenn viel Geld zirkuliere, wäre dem abgeholfen: »Güter, diesonst nie produziert worden wären, gelangen in den Verkehr. . . .Der Geldstrom wirkt wie ein befruchtender Dünger« 67 ). Sicherlichhätten auch manche diese Gedankengänge verleugnet, ist doch »derwahre Wesensbestand des Merkantilismus . . . nicht das Programm