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einer besonderen Schule; dessen Anerkennung ist nicht einCharakterzug eines besonderen Zeitalters. Vielmehr haben Schrift-steller und Staatsmänner aller Jahrhunderte sich dazu bekannt« 58 ).So versetzt Bidermann dem Smithschen »System« den »Todes-stoß« (Nielsen), indem er die wirtschaftlichen Anschauungen alsdurchaus zu Recht bestehend anerkennt und in ihnen nicht ein-mal etwas den Merkantilisten Eigentümliches sieht. Er betont nocheinmal, die Annahme wäre nicht richtig, »daß die Merkantilistenein Volk schon darum reich und glücklich preisen, weil es vielGeld in seiner Mitte festhält, vielmehr erblicken sie im Gelde, in-sofern es Bestandteil des jeweiligen Vermögens ist, nur eine Bürg-schaft für die leichte Beschaffung der Genüsse, die das Wohllebenausmachen, allerdings eine Bürgschaft, die nicht fehlen darf undderen Ausgiebigkeit mit der Geldmenge, über die man verfügt,wächst« 69 ). Ebenso wie ein kleiner Handwerker nicht im Konsum-verein kaufen wolle, wo er doch sparen würde, aus Furcht, mitseinen ehemaligen Lieferanten auch seine Kunden zu verlieren,so meinten die Merkantilisten, wäre es besser für eine Ware, imLande zwei Taler zu bezahlen anstatt eines außerhalb derGrenzen. Manches Mißverständnis sieht Bidermann in ihrer un-klaren Ausdrucksweise begründet; viel größer aber wäre die Schuldder Smithschen Schule, die den »aus dem Leben gegriffenen Er-örterungen der Merkantilisten ein richtiges Verständnis abzugewinnenunter ihrer Würde fand« 60 ).
Auf diese ersten Angriffe gegen die altüberlieferten An-schauungen sollten bald weitere folgen. In seiner temperament-vollen Weise nahm sich nun Eugen Dühring der Merkantilistenan. Ihm erscheint der gesamte Merkantilismus noch nicht als eineselbständige Volkswirtschaftslehre, die erst mit Adam Smith be-ginne. Sein Schwerpunkt liege vielmehr in der Praxis, deshalbkönne man ihn nicht mit der Physiokratie gruppieren. »Die bloßeAufprägung einer verschulten Ausdrucksweise macht sicherlichnoch keine Wissenschaft.« »Dieser Umstände muß man eingedenkbleiben, wenn man sich den Versuchen gegenüber sieht, den erstseit dem letzten Jahrhundert zur Geltung gelangten Begriff einernationalökonomischen Wissenschaft in die Äußerungen derjenigenSchriftsteller hineinzutragen, welche unter dem Einfluß des Mer-kantilismus schreiben.« Man finde Richtiges und Falsches bei-einander, aber ein System sei wirklich vorhanden. Auch Dühring fordert geschichtliches Verständnis; man muß »vor allem diehistorische Erscheinung als solche« erklären 61 ). Mit all der ihm