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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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zustehenden Schärfe wendet er sich gegen die Schulmeinung:»Man pflegt die Bedeutung, die der Merkantilismus den edlenMetallen beilegte, ebenso wie die Art, in welcher er die Wirk-samkeit der Handelsbilanz betrachtete, meist bis zur Karikaturzu verzerren.« Aber schon im Altertum gab es eine Fabel vomMidas . So haben »die neuen und neuesten Karikierer des Merkan-tilismus diese uralte und sicherlich nicht nach allzuviel Geist aus-sehende Wendung nachgeahmt und den merkantilen Anschauungendie törichtesten Ansichten und Absichten untergeschoben« 62 ). DerHinweis auf die Überschätzung der edlen Metalle habe zwarmanches für sich, aber man müsse zunächst wissen, wie denn dieVorstellung über die Rolle, die Gold und Silber spielten, fehl-gegriffen habe. Man sah im Handel die Macht, man sah, wie erin den Besitz von Edelmetall versetzte, aber niemals verkannteman die verschiedenen Quellen des Wohlstandes.

Nachdem so Dühring energisch die Merkantilisten von demFluch des »auri sacra fames« befreit hatte, ging man nun auchgegen die Handelsbilanztheorie vor. Edmund Freiherrvon Heyking versucht dies in seiner geistvollen Studie »ZurGeschichte der Handelsbilanztheorie« *). Die neue Zeit bringt neueStaaten mit sich, und für diese entstand nun die Sorge um ihreExistenz. Aber »dasjenige Gebiet, auf welchem daher zunächstdas Streben des Staates nach materiellen Mitteln zutage tritt, istder auswärtige Handel, und diejenige Form, in welcher jeder Staatdie Befriedigung seiner Bedürfnisse den gleichen materiellen Be-dürfnissen aller anderen Staaten gegenüber sicher zu stellen strebt,ist die nationale Handelspolitik. Die Geschichte der nationalenHandelspolitik beginnt mit der Geschichte der modernen National-staaten«. Heyking folgt Bidermann, wenn er vor allem die nötige.Produktion von Tauschwerten betont. Die Ware konnte erst imfreien Tauschverkehr entstehen: »Die dringende Lebensfrage derBeschaffung von Subsistenzmitteln schien nun eben ihre Lösungzu finden in der Produktion für den Verkauf«. Da es noch keinenKredit gab, war das Edelmetall vonnöten. Die Menschen vondamals vergaßen aber keineswegs, daß sie das Geld nur zur Er-langung von Gebrauchswerten verwenden konnten. Deshalb mußtees in Fülle erworben werden, wozu der ausländische Handel diente,denn hier war der Verkehr unbehindert, fehlte es doch dem Binnen-lande an den nötigen Verkehrsmitteln. Dieser Kampf der Staaten

*) Wie weit Heyking durch das russische Werk von Janschull beeinflußt wurde,vermochte ich nicht festzustellen.

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 , 3

Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.