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untereinander aber hatte ein Barometer in der Handelsbilanz,deren Inhalt zunächst Überwiegen der Geldein- über die Geldausfuhrbedeutete, womit sie alten Ideen folgte. Zuerst berechnete man— so in Spanien — genau die Ein- und Ausfu hr der Edelmetalle,aber je mehr der Handel erstarkte, desto mehr wurde die Waren-ein- und -ausfuhr taxiert. Damit war man auf den richtigen Weggelenkt, in der Produktion die Quelle des Reichtums zu sehen.So baut sich die Handelsbilanztheorie aus zwei Elementen auf:dem »Element der Sicherung und Förderung des Erwerbs im In-land : Schutz der nationalen Arbeit, und dem Element des Strebensnach Vermehrung der Geldquantität« ® 3 ).
Daß die Merkantilisten nicht Geld für den einzigen Reich-tum hielten, betont schließlich auch March et ausdrücklich, derüberhaupt von einem System nichts wissen will. »Der Mer-kantilismus hat nie die Prätension erhoben, ein theoretisch ab-gerundetes .System“ zu sein, er hat sich nie auf Untersuchungenüber das, was .Reichtum“ ist, eingelassen, und etwa auf Grunddieser theoretischen Untersuchungen dann seine klar überlegtenMaßregeln vollführt, sondern er hat ein allgemein erfaßtes Zielgehabt und dieses mit einer Reihe von Mitteln, oft rein von Fallzu Fall, angestrebt.« So wollten die Merkantilisten Geld zur Ver-waltung, denn »es bemächtigte sich der Völker eine fieberhafteAngst, sie möchten von jenen Segnungen, welche durch die lebendiggewordenen Beziehungen, die das Geld schuf, vermittelte und er-hielt, ausgeschlossen werden, wenn sie sich dieses Mediums nichtebenfalls bedienten«. Sie werden nicht vom Durste nach Goldund Silber getrieben, wenn sie für den Bergbau — manche sogarfür den unrentablen — eintreten, sondern von der Not der Zeit.Marchet fragt wohl als erster: »Ist denn das Streben nachGeld... aus der Welt verschwunden?«, meine doch auchHelferich der Altere, daß die Zeitverhältnisse wirklich den Besitzdes Geldes für wünschenswert erscheinen ließen. In engem Zu-sammenhang damit stehen die Anschauungen der Merkantilistenüber den Handel und die Manufakturen. Der Zweck blieb wohlderselbe, aber die Mittel wechselten oft, daher kann der Mer-kantilismus kein System genannt werden; er bestand »in einerFülle von mehr oder minder ausführlich motivierten und theoretischdurchgearbeiteten Maßregeln zur Hebung des volkswirtschaftlichenNiveaus des Staates ... all das aber nicht in systematischer Über-legtheit, sondern vielmehr in wohlwollender Systemlosigkeit! Allesam Merkantil-»system« war elastisch und biegsam!« 64 ).