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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Demgegenüber behauptet nun von Erdberg , daß der Merkan-tilismus doch ein System sei. Auch er will merkantilistische Ideenschon im Altertum erblicken, die im Übergang von der Natural-zur Geldwirtschaft in eine neue Epoche traten. »Geld ist Macht,das war der Satz, zu dem man kommen mußte« 65 ). So kam manauch zu dem Satz: Reichtum ist Macht. Aber das Wesentlichewar der Mehrbesitz, dazu diente das Streben nach dichter Be-völkerung, die Hebung der inländischen Industrie, dazu die Handels-politik. »Der Satz aber, Geld ist Macht, hat nur einen Sinn, wennwir ihn komparativ fassen, wo mehr Geld da mehr Macht,wo das meiste Geld da die größte Macht« 66 ). Aus all demspricht klar ein System, »d. h. eine Reihe von Sätzen, die, einerden anderen bedingend, auf ein letztes zu erreichendes Ziel hin-weisen«; wenn auch die Schriftsteller noch keine Systematikerwaren und das System in ihnen mehr oder weniger konsequent zumAusdruck kam. Seinen Endzweck sieht v. Erdberg in der »Ver-mehrung aller Geldmittel im Lande und als Mittel dazu den günstigenStand des Handels, der Industrie und der Bevölkerung« 67 ).

Noch war der Kampf zwischen »Merkantilsystem« oder »Mer-kantilismus« unentschieden, da versuchte Schacht diesen Zwiespaltzu lösen, und was schon Marchet und andere vor ihm ausgesprochenhatten, wurde nun für die englischen Merkantilisten durch ihnbewiesen. Wie all seine Vorgänger betont er wieder: daß manGeld oder den Besitz von Edelmetall nicht als den alleinselig-machenden Reichtum eines Landes angesehen habe, ja, daß vieleAutoren dem völlig widersprächen. Er schließt sich Heykingan, wenn er sagt, daß wir »unter der Handelsbilanzlehre keineTheorie, sondern eine praktische Lehre zu verstehen haben«. Sokommt er zu dem Schluß: »daß auch absolut nicht ein Satz sichaus dem andern ergibt, sondern daß die Schriftsteller bald deneinen, bald den anderen Satz behandeln, ohne von einem bedingen-den Zusammenhang etwas verlauten zu lassen« 68 ). Man findezwar »treffende theoretische Schlaglichter; aber niemals sind jeneGedanken zu Ende gedacht«. Nicht einer der merkantilistischenSchriftsteller könnte sich rühmen: »sine ira et Studio geschriebenzu haben«. »Ein theoretisches Merkantilsystem gibt es aber nicht,ja es gibt nicht einmal irgend eine spezifisch merkantilistischeTheorie. Das Merkantilsystem existiert nur als ein System derWirtschaftspolitik« 69 ).

Zu den Problemen des Merkantilismus hatte sich nun dieFrage um das System gesellt, scharfe Trennung zwischen

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