36
theoretischem und praktischem Merkantilismus wurde gefordert,während aber Schacht ein theoretisches System leugnet, wird es vonSalz behauptet. Die Frage gebiete nur darum so viele Schwierig-keiten, »weil man nicht immer und jedenfalls nicht mit genügenderKlarheit den Merkantilismus als System allgemein theoretischerGedanken zu unterscheiden wußte von der Summe praktischerMaximen zur Wirtschaftsführung und rationellen Erfüllung desHerrscherberufs nach seiner ökonomischen Seite, die ebenfallsMerkantilismus genannt wird. Der praktische Merkantilismus, be-sonders in Deutschland — wo alles Großangelegte und Großge-dachte sich zersplittert —, gipfelt in dem Streben der Stände nachökonomischer Machterhöhung, was soviel bedeutet als ihren Kampfum Selbständigkeit und Selbsterhaltung gegenüber dem Ringender großen Mächte um die Herrschaft der Welt« 70 ). WennSalz an einer anderen Stelle vom Merkantilismus als »jenem ersteneuropäischen staats- und gesellschaftswissenschaftlichen System«spricht, »das mit seinen aus der Erfahrung abstrahierten Grund-sätzen die europäischen Staaten, insbesondere die Territorialfürsten-tümer beherrschte« 71 ), und das Empirische des Merkantilismusbetont, begegnet er sich mit Brentano , dem »er nichts anderesals wirtschaftlicher Machiavellismus« ist. Denn der große Italienerfordere die »Betrachtung nicht dessen, was die Menschen tunsollten, um sittlich vollkommen zu sein, sondern was sie wirklichtun«. »Die Merkantilisten gingen allerdings davon aus, festzu-stellen, aus welchen Ursachen dieses oder jenes Volk zu wirt-schaftlicher Blüte gelangt sei; der Schwerpunkt ihrer Schriftenaber liegt in den Vorschlägen, die sie daran knüpfen, welche Maß-nahmen man ergreifen solle, um ein Volk zu wirtschaftlicher Blütezu führen« 72 ). Brentano sieht hier den Merkantilismus unter ganzbestimmten methodologischen Rücksichten; aber die auf der Em-pirie aufgebaute nichtethische Erfassung der Vorgänge des Wirt-schaftslebens ist sicherlich nicht typisch merkantilistisch. Bei Be-urteilung des praktischen Merkantilismus kennt er auch nur einArgument: den Unternehmerstandpunkt, nähert sich damit den»Gegnern«, die den Merkantilisten die Verwechslung von volks-und privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten vorwerfen. So meintBrentano, daß erst Smith und seine Schüler »im Gegensatz zuden Merkantilisten dem privatwirtschaftlichen Denken der Produ-zenten das der Konsumenten, d. h. dem Sonderinteresse das Interesseder Allgemeinheit, und dem übermächtigen Arbeitgeberinteressedas des Arbeiters entgegengesetzt haben«. Denn »damals kam