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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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der Arbeiter nur als Objekt in Betracht, als ein Subjekt des Wirt-schaftslebens haben ihn erst Adam Smith und seine Schule zurGeltung gebracht« 73 ).

c. Die beiden Gruppen der »Verteidiger« von List bis Horn, vonMario bis Brentano hatten die Frage des Merkantilismus nur nachökonomischen Prinzipien zu beantworten versucht. Schmollergebührt der Ruhm, schon in den 8oer Jahren die Problemstellungin eine andere Bahn gebracht zu haben. Erst er geht daran,den Merkantilismus wirklich in seinem Kern aufzuspüren. Ersieht in »dem territorialen Wirtschaftsorganismus den Träger desFortschritts, der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung; dieterritorialen Einrichtungen werden jetzt ebenso zur Hauptsache,wie früher die städtischen«. Die Territorien übernehmen jetzt dieMaßregeln der Städte. Denn in der zweiten Hälfte des 16. und17. Jahrhunderts geschahen im wirtschaftlichen Leben große Ver-änderungen, die zu einer nationalen Wirtschaftspolitikdrängten; machtvolle Staaten mit einer einheitlichen Wirtschaftentstanden. »Es handelt sich um die Entwicklung wirklicherVolkswirtschaften als einheitliche Körper« 74 ). »So istder Merkantilismus in seinem innersten Kern nichtsanderes als Staatsbildung, aber nicht Staatsbildungschlechtweg, sondern Staats- und Volkswirtschafts-bildung zugleich.« Das ist der durchaus neue Gesichts-punkt, zu dem Schmoller kommt: das politische Moment domi-niert über das ökonomische. Er faßt all die verschiedenenÄußerungen der Politik und Wirtschaft zu einer Grundursache,der Staatsbildung, zusammen. Denn, so fährt er fort, »nichtetwa nur in der Lehre von der Geld Vermehrung oder von derHandelsbilanz, nicht nur in Zolllinien, Schutzzöllen, Schiffahrts-gesetzen liegt das Wesen dieses Systems, sondern in sehr vielmehr: nämlich in der totalen Umbildung der Gesellschaft undihrer Organisation, sowie des Staates und seiner Einrichtungen inder Ersetzung der lokalen und landwirtschaftlichen Wirtschafts-politik durch eine staatliche und nationale« 75 ). Die Politik desMerkantilismus bestand in Erschwerung der Einfuhr der Industrie-waren, in Beförderung der heimischen Manufakturen, der Reedereiund des Handels. Aber überall war der nationale Gedankeleitend. Schmoller folgt Bidermann, wenn er meint: »Nicht so-wohl das Geld als einziger Gegenstand des Reichtums steht so imMittelpunkt der Betrachtung als die Zirkulation desselben, dasGeld als Schwungrad des Verkehrs« 78 ).