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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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das Gleiche darunter verstanden« 80 ). Falsch sei die Annahme,die Merkantilisten hätten Geld mit Reichtum verwechselt, dennwo sie davon sprächen, meinten sie nicht das Edelmetall als solches,sondern den »Vermögenswert, den man zu erwerben betrachtet,das Kapital«. Mit aller Schärfe geht Oncken gegen Smith vor,der dem Geld Warencharakter beilegen wolle. »Es ist nichtwahr, daß das Geld eine Ware ist«, ruft er aus. »Das Geld alsValuta war eine öffentliche Institution«, aber es hat noch einezweite Bedeutung, es ist Vermögensrepräsentant« 81 ). Wie er inseiner Geschichte immer die sozialen Bewegungen mit Aufmerk-samkeit verfolgt, so glaubt er eine solche auch im Merkantilismuszu sehen, der »auf dem Bündnis des mittlerweile in den Städtenzur Herrschaft gelangten dritten Standes, mit dem zum Landes-fürstentum emporgestiegenen hohen Adel« beruhe. Die Absatz-felder hatten sich erweitert, sie verlangten eine neue Produktions-organisation, an Stelle des Handwerks trat die Manufaktur, »dasProletariat feierte seinen Einzug« 82 ). Ich halte dieses neue so-ziale Argument gegenüber dem nationalen für falsch: die Bewe-gung kam von oben, nicht von unten.

Zu Bücher, besonders aber zu Schmoller stellt sichOncken bewußt in Gegensatz. Denn Schmoller halte denMerkantilismus für Staatsbildung schlechthin, und Bücher behaupte,die Volkswirtschaft sei das Produkt einer jahrtausendelangenhistorischen Entwicklung, das nicht älter sei als der moderne Staat.Oncken betont, daß er dieser Auffassung nicht zu folgen vermöge.»Schon das Altertum besaß wirkliche Staaten, und zwarsowohl Nationalstaaten wie Weltreiche . . . Auch das damaligeVolkswirtschaftsleben hatte im Altertum sein Vorbild, wenn esdann freilich auch über dasselbe hinausschritt« 83 ). Prüfen wirnun einmal die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums nachdem Aufsatz von Eduard Meyer , dann werden wir sehen, daßBücher und Schmoller nicht so unrecht haben, wie Onckenmeint, aber wir werden auch Meyer zustimmen, daß das Alter-tum nicht die Vorstufe des Mittelalters sei. Das wares sicherlich in vielem nicht, weit eher in volkswirtschaft-licher Hinsicht. Denn sonst könnten wir überhaupt nichtmehr an eine Entwicklung glauben. »Der Historiker«, meint zwarBel ow, »kann jedenfalls einen Entwicklungsbegriff von zu posi-tivem Inhalt nicht gebrauchen« 84 ), aber er kann die Entwick-lung konstatieren, ohne damit ein Werturteil abzugeben. EduardMeyer berichtet , wie herrlich weit es schon die Alten auch als