abgrenzung nach außen, die sich allmählich zu nationalen Wirt-schaftsgebieten auswachsen« 89 ). Ferner aber, wenn er von denVersuchen, das Reich volkswirtschaftlich zu einen, spricht, unddann fortfährt: »Von da an ist das Volkswirtschaftsleben in un-zählige kleine Territorialsphären gespalten, die sich mehr oderweniger scharf voneinander abschlossen und eine oft entgegen-gesetzte Wirtschaftspolitik verfolgten« 90 ). Betont nicht auchSchmoller die deutsche Zersplitterung, die es unmöglich machte,einen geeinten Staat zu schaffen? Dafür entstanden eben dieKleinstaaten, die sich alle voneinander unabhängig machen wollten,also Volkswirtschaften im engsten Kreise. Es kann doch auchsicherlich nicht auf die Quadratfläche ankommen, wenn essich um eine Staats- und Volkswirtschaftsbildung handelt.
Die Ideen Schmollers und Onckens vertritt neuestens Hein-rich von Srbik. Auch er sieht im Merkantilismus kein einheit-liches Lehrgebäude: »Eine Summe verschiedener theoretischer undpraktischer Einzelerscheinungen liegt vor, die nur durch gewisseallgemeine Grundtendenzen eine gemeinsame Signatur erhalten.Immerhin zeigt die Wirtschaftspolitik der einzelnen Staaten wäh-rend des Merkantilzeitalters so zahlreiche gleichartige Züge, daßsich auf sie wohl der Ausdruck ,Merkantilsystem 1 anwenden läßt;mit voller Berechtigung jedoch kann von einem System nur imHinblick auf die einzelnen Theoretiker, keinesfalls mit Rücksichtauf die Gesamtheit der Merkantilisten gesprochen werden: eineförmliche systematische Wirtschaftslehre des Merkantilismus gleichder der Physiokratie . . . gibt es nicht« 91 ). Mit Oncken hält er dieHandelsbilanz für das einzige merkantilistische Dogma. Geld war»nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck«. Die volkswirt-schaftliche Lehre der Merkantilisten ist auf Kollektivphänomenagerichtet: die großen Wirtschaftskörper, die Staaten liegen mit-einander im Kampfe um das politische Übergewicht, dem poli-tischen Machtkampf dient der wirtschaftliche« 92 ), so will sie,meint Srbik mit Schmoller, »von der Stadtwirtschaft zur staatlich-nationalen Volkswirtschaft hinüberleiten« 93 )*).
*) Wegen einiger weiterer Äußerungen über den Merkantilismus vergleiche denExcurs im Anhang.