erscheinungen erklärt. So sagt Kant: »System ist ein nachPrinzipien geordnetes Ganzes der Erkenntnis« *) und Eisler nenntein System eine 2 ) »einheitliche, nach einem Prinzip durchgeführteAnordnung einer Mannigfaltigkeit von Erkenntnissen zu einemWissensganzen, zu einem in sich gegliederten, innerlich-logischverbundenen Lehrgebäude als möglichst getreues Korrelat zumrealen System der Dinge«*). Wenn wir nun diesen scharf formu-ierten Begriff des »Systems« an den Merkantilismus anlegen, dannergibt sich, daß der Merkantilismus kein System ist.
Denn wo herrscht dort die Einheit und Geschlossenheiteines Systems? Wohl finden wir Zusammenhänge, aber wo be-dingt eine Meinung unabänderlich die andere? Ein Systembraucht Disziplin und besteht nur für sich allein und nicht,wie Oncken so »schön« sagt, in einem »Bündel von Systemen«(s. oben S. 38). Die vielen, die von einem Merkantil Systemsprechen, kennen meistens die Merkantilisten viel zu wenig. Selbstwenn wir die Erdbergsche Systemdefinition annehmen wollten,würden wir sie auf den Merkantilismus nicht anwenden können,denn wo bedingt dort ein Satz den anderen? (s. oben S. 35). Sobeweisen Schacht und von Heyking für die englischen Mer-kantilisten, wie unsystematisch sie dachten und handelten. Prüfenwir aber die Kameralisten in Deutschland , die ja alle Merkanti-listen waren — eine Behauptung, die noch zu beweisen seinwird —, so sehen wir genau dasselbe: alle leitet eine Tendenz,aber ohne daß sie in einem System stehen.
Wenn wir eine Stichprobe machen wollen, so gibt es nichtsLehrhafteres als die interessante Lektüre der »Fürstlichen Schatz-und Rentkammer« von Wilhelm Freyherr von Schröder. Ge-rade er ist als einer der typischsten Merkantilisten bekannt, ergilt als Musterbeispiel dafür, wie einseitig wirtschaftlich dieseAutoren dachten; dringen wir aber näher in ihn ein, dann werdenwir sehen, wie unkonsequent und unsystematisch er ist, undwie weit er gerade in vielem seiner Zeit vorauseilt. So sagt ereinmal 3 ): »Darum wird das land so viel reicher, als entweder
*) Einige ähnlich formulierte Definitionen bei Eisler: Fries (System der Logik,S. 268): System: »ein einheitlich geordnetes Ganzes der Erkenntnis.« Kiesewetter(Gr. d. Log. ad. § 194, S. 242): »eine Sammlung von Erkenntnissen, die nach der Ideeeines Ganzen geordnet sind, in denen also Einheit herrscht.« Deussen (Allg. Gesch.d. Philos. I, 248): » . . . ein Zusammenhang von Gedanken, welche sämtlich auf einenEinheitspunkt bezogen und von diesem abhängig gemacht werden.« Siehe auch den Excursm Anhang.