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aus der erden oder anders woher geld oder gold ins land gebrachtwird, und so viel ärmer, als gold hinauslaufft. . . Denn dieweilenex communi consensu gentium gold und silber das allgemeinepretium ist aller dinge, und der werth derselben an allen ortenin der weit nach dem werth des goldes und silbers geschätzetwird, als nun welches alles kan erkauffet werden; so muß man denreichthum eines landes nach der menge des goldes und silbers indemselben ästimiren.« Haben nun nicht die Smithianer recht,wenn sie sagen: den Merkantilisten war Geld = Reichtum! Fernereine andere Stelle 4 ): »Denn es ist bekandt und allbereit bewiesen,daß die ein- und ausfuhr des geldes in einem lande mit dencommercien müsse balancieret werden, dergestalt, daß ein land,welches mehr gekaufft, als kaufft, so viel geldes einzunehmenhabe, als die verkauffte waare mehr werth seyn, denn die, welchees verkaufft haben. Hergegen aber wo ein land mehr einkaufft,als es wieder verkaufft, so muß es den Überfluß mit baarem geldersetzen, und gut machen, und daß ein land mehr nicht verkauffenkönne, als andere länder von ihme zu kauffen bedürfftig seyn.« Istdas nicht eine klare Darlegung der Handelsbilanztheorie? Ja, dasist es sicherlich, und der erstzitierte Satz zeigt auch, daß Geldidentisch mit Reichtum geachtet wird, aber es ließen sich nunviele Stellen vieler Merkantilisten anführen, die das genaue Gegen-teil behaupten. Doch nur einer sei genannt, nämlich von Schröderselbst. So sagt er vom Überfluß, d. h. dem Reichtum: er besteht»aus der natürlichen fruchtbarkeit des landes «, »aus dem fleiß dermenschen, welchen wir in der kauffmannschafft selbst anwenden«,oder »aus der kunst der menschen« 5 ). Kennt er nicht hier dieQuellen des Reichtums sehr gut? Beweist er nicht mit diesenWorten, welche Bedeutung er dem Boden und der menschlichenArbeit beimißt? Wenn wir nun seine Ansicht über die Geld- undWarenausfuhr prüfen, dann finden wir auch folgende Stellen 6 ):»Diejenige aber, welche wider die freye ausfuhr des geldes redenoder schreiben, die considerieren und betrachten das werck inseinem anfang und nicht in seinem ende . . . eben als wenn ichvom bauersmann aus seiner arbeit im frühling judicieren wolte:er thäte närrisch, daß er sein schönes getraid in die erde würffe«.Und dann schreibt er in demselben Kapitel 7 ): »Aber es gehen zuanderen Zwecken auch Gelder ins Ausland: Erbschaften, durchNiederlassungen fremder Kaufleute, durch vornehme Beamte usw.«.Beweisen nicht diese Äußerungen eine große Einsicht? Er istaus ganz berechtigten Gründen gegen Geldausfuhrverbote, und er
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