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torien, aus denen einst die großen deutschen Staaten erwachsensollten. Hier hatte der Nationalismus oft enge Grenzen, aber auchhier wurde versucht, die alte Stadtwirtschaft zu überwinden. Sokämpfte ein Staat mit dem anderen, und die Fürsten trieben Macht-politik, indem sie ihren Staat zu dem ersten machen wollten.Nicht die Handelsbilanz ward das Barometer für das Wohl-ergehen eines Staates, sondern die politische Bilanz; als Postu-lat galt für jeden Staat das Homerische Wort: »alsv uqioteveiv xalvjielqo’/ov EjjLfiEvai üaXojv« 13 ).
Will eine Idee oder eine Bewegung sich durchsetzen, sobraucht sie dazu ihre Politik. Denn was ist Politik anderes alsdas In-die-Tat-Umsetzen gewisser Ideale, eine »Verwirklichungder Werte« (Schulze-Gaevernitz 14 ). Wollten die Verfechter desMerkantilismus ihm zum Siege verhelfen, dann mußten sie einebestimmte Politik einschlagen. Man muß scharf zwischen Ursacheund Folgen trennen: weil diese Bewegung bestimmte Tendenzenhatte, brauchte sie eine bestimmte Politik. Das, was man bishermeist unter Merkantilismus verstand, ist nur der Ausfluß dieserBewegung, ist das sekundäre Moment, wenn auch der Name ge-rade von ihr stammt und gewissermaßen als pars pro toto ver-wendet wird. Wollte der politisch sich einigende Staat existieren,dann mußte er auch für seine Existenz sorgen. So haben »allemerkantilistischen Bestrebungen einen nationalen Charakter« 15 ).Die Machtpolitik brauchte neue materielle Grundlagen, wenn siesich auch oft und lange noch der alten Methoden bedienen mußte.In Deutschland war es schwer, die Stadtwirtschaft zu überwinden,aber es mußte geschehen. Daher kann ich Below nicht zustimmen,der meint, das merkantilistische System sei nur eine Fortbildungder alten Stadtwirtschaft. »Eine grundsätzlich neue Bestimmungdesjenigen, was in der Volkswirtschaft erstrebenswert sei, habenerst die Physiokraten gegeben« 16 ). Ich frage deshalb, ob dennColbert und Crom well keine Volkswirte waren? Doch sagt erselbst: »Die Schritte, die über die Stadtwirtschaft hinaus getanwerden, führen nicht zu einer Territorialwirtschaft, sondern zu derVolks- teilweise sogar Weltwirtschaft« 17 ). Die Merkantilistenwollten aber durchaus zur Volkswirtschaft übergehen; daß sie esoft nicht konnten, kann doch nicht hindern, in ihren Absichtenetwas Neues zu sehen.
3. Wir müssen aber wissen, wen wir zu den Merkantilisten zuzählen haben, denn wir können nicht all und jeden Schriftstellerdes 16. bis 18. Jahrhunderts zu ihnen rechnen. Vor allem wird es