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und wenn der Italiener Filanghieri sagt: »II commercio vuoleche tutte le nazioni si riguardano come una societä unica« 21 ), ge-hört er zu den wirtschaftlich Liberalen: sie wollen das Volkreicher, die Merkantilisten es vor allem mächtiger machen. Aufihrem Banner steht Kampf, nicht Eintracht unter den Völkern.Das ist die Grenze zwischen Merkantilismus und Liberalismus.
Wo aber der merkantilistische Geist herrschte, galt es, dasVolk zu tatkräftiger Produktion zu erziehen: daher überall die Sorgefür die neuentstehenden Manufakturen und vor allem für die Her-stellung guter Waren; denn der Blick ging meist auf den Außen-handel. Man wollte selbst zwar nichts vom Ausland kaufen underrichtete möglichst hohe Zollmauern um die eigenen Grenzen, aberman hielt den Nachbar für dumm genug, die Waren abzunehmen.Damit hingen auch die Ausfuhrverbote für Rohstoffe, die Einfuhr-erleichterungen für sie zusammen, denn alles galt der Hebung derheimischen Industrie. Doch auch hier gehen die Ansichten oft weitauseinander. Von Deutschen sind es Becher und Hornigk, dieimmer wieder an den Reichtum des Heimatlandes erinnern, deralle Bedürfnisse befriedigen könne. Diese selben Männer, die dieVolkswirtschaft auf Grund der Arbeitsteilung entfesseln wollten,dachten noch nicht an eine Arbeitsteilung unter den Völkern,wie sie die Liberalen forderten; zur wahren Weltwirtschaft war esnoch nicht so weit. Da man wünschte, den eigenen Staat aufeigene Füße zu stellen, und mit Voltaire glaubte, »II est clairqu’un pays ne peut gagner sans qu’un autre perde« 22 ), waren ebenviele uns falsch erscheinende Mittel recht. Der Handel war derMachtfaktor, dessen Stärke man an der Handelsbilanz ablesenwollte. Darum fordern die Engländer eine starke Kriegsflotte,deshalb die Deutschen eine große Bevölkerung: sie ist ihnen dasFundament des Segens. Und das Wort Bechers: »volkreich, nahr-hafft Gemein« gilt schlechthin für den Merkantilismus. VieleMenschen konnte man zu allem brauchen: für die neuen Fabriken,für den Handel, die Schiffahrt, die Landwirtschaft und nicht zuletztals Soldaten. Ja, es schwebt dem Merkantilismus auch eineMenschenbilanz vor Augen: je mehr Menschen ein Land hat,desto glücklicher ist es. Daß sie hier auch wußten, die Bäumekönnten nicht in den Himmel wachsen, wird ihnen zwar oft be-stritten; aber es finden sich genug Stellen, wo es heißt, daß natür-lich genügend Nahrungsmittel die Vorbedingung für eine starkeBevölkerung seien. So sagt Seckendorff : Keinem Untertan darf»die nothdurfft zu seinen lebens-mittelnif: mangeln« 23 ), und Hornigk