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fordert: »Dannenhero ist auf die bevolckung eines lands so vielMenschen nur immer sich drinnen ernehren können / als eineswohlgeordneten staats höchste / aber leider! bey vielen wenig ge-achtete angelegenheit zu schauen« 24 ).
4. Es sollte in diesen Zeilen keineswegs eine eingehende Dar-legung der merkantilistischen Politik gegeben werden, —das ist oft genug geschehen — sondern die Absicht war, eine klareBestimmung des Wesens des Merkantilismus zu geben. Wir er-blickten dies in einer Bewegung zwecks politisch-volkswirtschaft-licher Zentralisation, zwecks Erhöhung der Macht des eigenenStaates und sahen, daß die viel besprochene merkantilistische Politiknur Mittel zum Zweck ist. Die Angriffe Adam Smith ’ und seinerSchule richteten sich also nur gegen diese merkantilistische Politik;wenn sie auch glaubten, es mit einem theoretischen System zu tunzu haben. Das alte Märchen, das sie erzählten, berichtete von derGier der Merkantilisten nach Geld, verkündete, daß sie nur imGelde den Reichtum sahen und deshalb all ihre Maßnahmen, ihreHandelspolitik darauf einstellten, möglichst viel davon zu erhalten.So war es gang und gäbe, die Äußerungen der Bewegung mit ihrselbst zu identifizieren. Prüfen wir nun diese Angriffe auf ihreBerechtigung, dann müssen wir selbst zu dem Problem kritischStellung nehmen.
Dabei erheben sich die Fragen verschiedenster Art: Wie weitdarf der Historiker überhaupt mit seiner Kritik gehen ? Dennjede Kritik ihm untersagen, hieße ihn zum bloßen Berichterstattererniedrigen. Darf er an der Bewegung als solcher Kritik üben?Diese Frage ist mit einem Nein zu beantworten, denn hier steht ervor einem rein empirischen Faktum. »Es kann«, meint Rickert,»der Historiker als Historiker nicht entscheiden, ob die französischeRevolution Frankreich oder Europa gefördert oder geschädigt hat.«»Wenn die Geschichte Lob und Tadel ausspricht, überschreitetsie ihre Grenze als Seinswissenschaft, denn Lob oder Tadel läßtsich nur mit Hilfe eines Maßstabs von Werten begründen, derenGeltung nachgewiesen ist, und das kann nicht Aufgabe der Ge-schichte sein« 25 ). Den Merkantilismus selbst können wir danachweder rühmen noch verdammen. Wenn wir aber weiter fragen,ob wir die Politik dieser Bewegung und die Anschauungen ihrerVertreter be- und eventuell verurteilen können, so müssen wir dieseFrage bejahen, handelt es sich hier doch nicht um Werte, sondernum Forderungen und Begriffe. Denn wenn wir fragen: warendiese und jene Maßregeln für ihre Zeit, ihre Bewegung richtig,
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