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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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lichem Gebiet. Ein ganz neues Faktum tritt in den Ideenkreisder Menschen ein: Europa ist nicht mehr allein die Welt. Wasbedeutet nun selbst das Römerreich gegenüber den Reichen, diejetzt entstanden, die sich über Entfernungen ausdehnten, von denenman früher höchstens geträumt hatte. Es tritt eine »Erweiterungdes räumlichen Horizonts« (Lamprecht 1 ) ein. Mit dem zu Endegehenden 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden dieEntdeckungen der noch unbekannten Weltteile gemacht, dieganz neue Ausblicke eröffnen; war bisher Europa auf sich selbstbeschränkt gewesen, hatte nur mit dem angrenzenden Asien undAfrika verkehren können, so erweitert sich nun die Welt: ganzneue Arten von Pflanzen, von Stoffen erscheinen und steigernden Bedarf und das Begehren danach Alle Völker, voran Portu-giesen, Italiener und Deutsche, beteiligten sich an der Durch-streifung der Welt. Columbus aus Genua entdeckt Amerika, das derFlorentiner Amerigo Vespucci wissenschaftlich erforscht; unterdessenfindet Vasco da Gama den Seeweg nach dem östlichen Indien,Cabral gelangt nach Brasilien , und Magalhäes vollführt die ersteErdumsegelung. Zug um Zug erschlossen sich die neuen Ländermit all ihren Schätzen.

Daneben sind die Erfindungen zu erwähnen, vor allemdie der Buchdruckerkunst, die erst den geistigen Verkehrder Völker vermittelt und das »Aufkommen der Klassen immate-rieller Produktion« 2 ) ermöglicht. Ärzte und Gelehrte, Beamteund Künstler verdanken ihr die Existenz.

b. Die Entdeckungen verursachen große Veränderungenim Wirtschaftsleben. Bisher war das Mittelmeer EuropasHandelshafen gewesen, nun werden es die Ozeane, vor allem derAtlantische: der Handel nimmt eine andere Richtung, dieitalienischen und deutschen Städte müssen den Vorrang an Por-tugal, Spanien und die Niederlande abgeben, die nun dieSchätze aus der neuen Welt holen. Zwar lassen sich Italiener und Deutsche nicht ohne weiteres verdrängen, sie versuchen inLissabon , das zum Haupthandelsplatz wird, festen Fuß zu fassenund in die Kolonien selbst einzudringen, aber neben den zu großenEntfernungen vom Mutterlande dorthin, wirkte es hemmend, »daßdie alten Handelsvölker doch nicht mehr genügend nachhaltigeSpannkraft und vor allem nicht die geeignete staatliche Organi-sation besaßen, um so gewaltige Unternehmnngen durchzuführen« 3 ).Wie im Süden Spanier und Portugiesen die ersten Handelsmächtewerden, so im Norden die Plolländer und Engländer. Man be-