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orinnt die neuen Länder unter sich aufzuteilen, die Kolonial-em ’
politilc aber führt zu einer Rivalität unter den Staaten. Dasalles gibt dem Handel eine große Expansionskraft; das mehrlokale Handwerk und der Ackerbau müssen hinter ihm zurück-treten: der erwachende Kapitalismus sucht bei ihm Schutz. DieStädte werden reicher, aber die unteren Volksschichten ärmer: einProletariat entsteht.
Ein sehr wichtiges Moment ist der Zufluß des vielenEdelmetalls, meist aus der neuen Welt. Das Gold und Silber,das jetzt in reichstem Maße herbeiströmt, erleichtert den Über-gang von der Natural- zur Geld Wirtschaft Das Geld wirdein Faktor von eminenter Bedeutung. Mit Überwindungder mittelalterlichen Strenge kommt die Sinnenfreude zum Durch-bruch: man freut sich des Reichtums, und neue Begierden ent-fachen den Luxus, denen jetzt der Handel weit besser als früherdienen kann. Es sind keine ethischen Postulate, sondernnur ökonomische Prinzipien maßgebend. »Scheinbar plötz-lich rückt jetzt ein Satz in den Vordergrund, welcher einer ganzneuen Anschauung vom Wesen und von der Bedeutung des Geld-kapitals Ausdruck gibt. Dieser Satz lautet: »Pecunia nervusbelli« 4 ). Geld wird zu allem nötig: für die Verwaltung und denKrieg; es muß so zu der Bedeutung gelangen, die es für denökonomischen Merkantilismus hatte. Mit der Geldwirtschaft Handin Hand geht die Kredit Wirtschaft. Der neuerstarkte Handelweiß nichts mehr mit dem kanonischen Zinsverbot anzufangen.Längst schon hatte man es umgangen; schreibt doch z. B. einFuggerscher Faktor in seinem Testament: er könne sich in seinemGewissen nicht beschwert fühlen, er habe nie eigenes Kapitalgehabt, sondern stets alles Geld, das er in Handlungsgesellschafteneingeschossen habe, vorher durch Wechsel aufgenommen 5 ). Miteigenem Gelde Handel zu treiben, galt als Sünde, nicht mit frem-dem. Merkwürdige Ethik! Diese Rücksichten mußten nun fallen,der Handel und das Geld durchbrachen die Schranken. Banken,Börsen, Posten, Zeitungen entstanden. Die Revolution des Wirt-schaltslebens erfordert eine rationalistische Erfassung der ökono-mischen Probleme.
c. In der gleichen Zeit vollzieht sich eine Reorganisationder Staaten. Die Macht des Rittertums sinkt, die neuen Er-findungen ermöglichen eine andere Kriegstechnik, man brauchtSöldner-, nicht Ritterheere. Es gelingt den Staaten, sich innerlichzu festigen. Die Franzosen vertreiben die Engländer von ihrem