Dazu kamen die schlimmen Zustände im Innern: diePreise stiegen immer mehr, das Edelmetall verteuerte sich: imganzen Lande herrschte ein großer Münzwirrwarr: es ist die Zeitder Kipper und Wipper . Über 600 Münzstätten gab es im Lande,und jede hielt sich für berechtigt, das Geld nach Gutdünken aus-zuprägen. Treffend heißt es in einer der Flugschriften gegendiese Münzanarchie: »Daß einer, der vor 30 Jahren 1000 ver-liehen, mag mit gutem Gewissen 10000 wiederfordern, und wirddoch nicht reicher, sondern leidet Schaden« 6 ). Auch der Bauern-stand lag danieder, die Bauernkriege hatten keineswegs die er-sehnte Freiheit gebracht, sondern die Fesseln nur noch fester ge-schlungen: der Bauer war in völliger Abhängigkeit vom adligenGrundbesitzer. So riefen auch die deutschen Zuständenach Reformen, nach einer politischen und wirtschaft-lichen Zentralisation. Wo eine Abhilfe mit dem ausgehenden16. Jahrhundert einsetzte, wurde sie noch einmal durch den 30jährigenKrieg aufgehalten. Erst die furchtbaren Wunden, die er der deut-schen Volkswirtschaft schlug, rüttelten sie wach, und in der zweitenHälfte des 17. Jahrhunderts beginnt man mit dem Versuche, dieNarben zu heilen 7 ).
2. a. Wir haben schon gesehen, daß die neue Zeit neben denpolitisch-wirtschaftlichen Veränderungen auch geistige mit sichbrachte, und auch an ihnen hatte Deutschland großen Anteil, jasie gingen teilweise von ihm aus. »Es ist eine der größten Kom-binationen der Weltgeschichte, daß in dem Augenblick, in welchemsich dem System der romanisch-germanischen Völker, welche zurlateinischen Kirche gehörten, die Aussicht eröffnete, eine vorwal-tende Einwirkung auf die andern Erdteile zu erwerben, zugleicheine religiöse Entwicklung emporkam, die dahin zielte, die Rein-heit der Offenbarung wiederherzustellen. Die deutsche Nation,die an der Eroberung fremder Erdteile wenig oder keinen Anteilhatte, machte diese große Aufgabe zu der ihren« 8 ). Wie die Ent-deckungen die weltlichen Umwälzungen beförderten, so die Erfin-dungen die geistigen. Die Opposition gegen das Papsttum nahmimmer mehr zu, das zeigte sich auch in der Literatur. Dazu aberkam nun die Kenntnis der Antike, der Humanismus zog inDeutschland ein. Nicht nur Kaufleute mit ihren Warenzügenkamen über die Pässe der Alpen von und nach Italien , sondernauch Gelehrte. Dort hatte man begonnen, die Werke der altenGriechen zu studieren und brachte dieses Studium auch in diedeutschen Lande: überall entstanden gelehrte Schulen. Erasmus