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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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statte bereiten wollte. Die Einigung, die im Reiche nicht gelungenwar, sollte vielleicht auf dem Umwege der Verwaltung geschehen.Hatte man hier straff organisierte Zentralbehörden geschaffen,dann mußten so hoffte man noch immer sich die einzelnenLandesteile zu einem Ganzen zusammenschließen lassen. WennAdler aber meint 25 ), Maximilian habe mit den neuen Verwaltungs-organisationen »den reichsständischen Institutionen einen könig-lichen Organismus gegenüberstellen« wollen, weil das Reich dievon ihm verlangten Machtmittel zur Einigung »nur zögernd undhalb« gewährt hätte, so dürfte er mit dieser Behauptung zu weitgehen, denn wie wir oben sahen, war Maximilian zum großenTeil an dem Scheitern der Einigungsbestrebungen schuld. Abergerade, weil er an sie nicht glaubte, wollte er zunächst dem eigenenLande dienen. Daß er für die Verwaltung Vorbilder hatte, istmehrfach dargelegt worden*): die burgundisch-französischenOrganisationen dienten ihm zum Muster. »Dem staatsmän-nischen Ansehen des ritterlichen Kaisers kann es keinen Abbruchtun, daß die Institutionen in Anlehnung an die erprobten Ver-waltungseinrichtungen fremder Länder, den heimischen historischen

*) Die Hauptvertreter der Rezeptionstheorie sind Adler und Rosen-thal, denen auch ich in diesen Ausführungen folge. Nun hat neuestens Dr. AndreasWalther in seinem Buch: »Die burgundischen Zentralbehörden unter Maximilian I.und Karl V.«, Leipzig 1909, diese Annahme bestritten. Ja, er versucht nachzuweisen,daß überhaupt an keine Rezeption burgundischer Einrichtungen in Öster-reich zu denken sei, und daß eher österreichische Organisationen nach Burgund ver-pflanzt wurden. Maximilian hätte gar nicht »die kurzlebigen Institutionen Karls desKühnen« kennen gelernt, und er hätte »die burgundischen Institutionen nicht wunder-voll funktionierend, zum Rezipieren einladend, vielmehr im Zustand schlimmster Ver-wirrung nach der Katastrophe des Jahres 1477 angetroffen« (S. 173/74). Aber auchbei dem Sachlichen wären die Grundlinien verzeichnet. Wenn die Rezeptionstheoriedurch Bidermann veranlaßt von dem Namen des »Schatzmeistergenerals« ausgegangensei, so habe, meint Walther, »eine gelegentlich neben anderen Benennungen auf-tauchende französische Bezeichnung an sich nur sprachgeschichtliches Interesse« (S. 180/81).Wir wollen uns nicht in Einzelheiten verlieren, doch war es nötig, auf diese AngriffeWalthers hinzuweisen. Wieweit er recht hat, vermag ich nicht nachzuprüfen, jeden-falls stehen ihm noch immer die umfassenden Untersuchungen Adlers, Rosenthalsund Pirennes, ebenso die Autorität eines Loening und v. Below entgegen. Rosen-thal bleibt auch in seiner Kritik des Walthersclien Buches (Vierteljahrsschrift fürSozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. IX, 1911) bei seinem Standpunkt. DieDetails können uns hier nebensächlich sein, wichtig aber ist die Tatsache, daß neueZentralbehörden geschaffen wurden. Bei der engen Berührung mit Burgund, dasin der Verwaltung viel weiter war als Österreich, wird sich der Einfluß nicht ableugnenlassen, nur über seinen Grad herrscht noch Streit. Aber auch Walther sagt: »Imletzten Grunde steht hinter dem allen eine große europäische Bewegung«(S. 191).