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viele Angelegenheiten unerledigt bleiben, waren doch auch dieBeamten noch in ihren Hauptberufen tätig. War es da nichtnatürlich, daß das Volk sich beklagte und diese Verwalter mitallem Haß verfolgte. Nur die Geistlichen waren damals mit denWissenschaften des Altertums vertraut, sie kannten auch dasrömische Recht, und man unterschied unter ihnen Dekretisten undLegalisten. Es waren wenige Laien, die sich mit den lateinischenRechtsquellen befaßten, unter ihnen der brandenburgische RitterJohann von Buch als einer der ersten. Aber noch bis ins 16. Jahr-hundert verachtete man im Volk diese Rechtsgelehrten, zähltedoch noch Hutten zu den großen Räubern des Volkes: die Ritter,Schreiber, Kaufleute und Juristen.
Mit der neuen Kammerorganisation zieht eine neue Be-amtenart ein: der besoldete, meist juristisch geschulte Be-rufsbeamte. Durch den Humanismus war, wie wir sahen, dasStudium des römischen Rechts weit verbreitet worden, nun widmetensich ihm viele Laien, und sie bildeten das beste Beamtenmaterial.So »entstand eine festere Tradition, eine gleichmäßigere Ge-schäftsführung. Die fähigen Schreiber rückten in die Sekretär-stellen, die besseren Sekretäre in die Ratsstellen ein. Es entstandeine Art bürgerlicher Amtskarriere. Neben die zeitweise am Hofanwesenden Hausräte traten mehrere dauernd anwesende, nebendie ritterlichen mehr gelehrte Räte,« führt Schmoller 2 ) aus. Das Amtwird nun zum dauernden Lebensberuf. Alle diese Räte derJustiz-, Finanz-, Hofkammer könnten wir Kameralisten nennen.Ihr Wohl und Wehe ist mit dem des Fürsten aufs engste ver-knüpft, sie haben seinem Befehl zu folgen und sind seine Helferund Berater in allen seinen und des Landes Angelegenheiten,deshalb möchte sich auf sie der Satz Smalls weit besser beziehen,den er in anderer Hinsicht gebraucht: »We might coin the name»fiscalists«, and it would be more appropriate to their actualcharacter than either of the terms by which they have beenknown« 3 ). Auch ich würde sie lieber so — also Fiskalisten —nennen; das zeigt aber, daß diese Fiskalisten es nicht sind, mitdenen wir es hier zu tun haben.
2. Aus der Schar dieser Beamten heraus erheben sicheinige in leitender Stellung, in besonderem Verhältnis zum Fürsten ,und sie sind es, die die Geschichte Kameralisten nennt. Auchsie waren Beamte an den Kammern, aber sie waren mehr als dies,und gerade dieses Mehr ist es, was die Geschichte veranlaßte,ihrer besonders zu gedenken; worin sie sich auszeichneten, werden