wir im folgenden sehen. Zum Unterschiede von ihnen habe ichdie anderen Kammerbeamten »Fiskalisten« genannt. Auch Smalltrennt beide, so spricht er von »The cameralists of the books^as distinguished from the cameralists of the bureaus, althoughthe former dass was usually recruited from the latter« 4 ). Der Aus-druck »cameralists of the books« ist gut gewählt, denn er deutetdarauf hin, daß sie Schriftsteller waren. Damit wären wir bei denKameralisten selbst angelangt; nachdem wir die Gründeihres Erscheinens kennen gelernt haben, müssen wir nun ilirWesen untersuchen.
a. Mit dem Merkantilismus beginnt ein vertieftes Interessefür alle Fragen des Staates: für die Verwaltung, die Aufgabender Fürsten , für Handel und Gewerbe; es entstehen die erstenpolitischen Schriften. Wie es in England vor allem handels-politische Fragen sind, die die schriftstellerische Behandlung ver-anlassen, wie sich dort daher zuerst Kaufleute damit befaßten,ein Gerard Malynes, Edward Misseiden und besonders ein ThomasMun, so ist es in Deutschland zuerst der Beamte, der wirt-schaftliche und Verwaltungsaufgaben zu lösen versucht und seineGedanken auch durch die Schrift verbreiten will. Daher ist eserklärlich, daß die Grenzen zwischen den Beamten, die wir Fiska-listen nannten, weil sie nur ausführende waren, und jenen leitenden,den Kameralisten, zuerst recht unbestimmt sind. Das Ziel bleibtaber stets das gleiche, in Deutschland wie in England , denn esentsprang den Ideen der Zeit. Sie alle wollen Hebung ihresLandes, seine politische und wirtschaftliche Einigung. Mit diesemZiel charakterisieren sie sich als Volkswirte; sind sie doch imkleinen dasselbe, was Colbert und Cromwell im großen waren.Diese merkantilistische Tendenz kommt nicht gleich mit allerMacht zur Geltung und muß sich erst allmählich durchsetzen, istdaher bei den älteren Kameralisten weniger ausgeprägt als bei denjüngeren. Erst die Schriftsteller des 17. Jahrhunderts sind typischeMerkantilisten, vor allem in ihren wirtschaftspolitischen Anschau-ungen, während es sich bei den ersten noch um Münzfragen undVerwaltungseinrichtungen dreht; doch werden auch schon Klagenüber den Luxus und die Geldausfuhr laut. Ebensowenig wie beiden übrigen Merkantilisten finden wir bei den deutschen Kamera-listen eine völlige Geschlossenheit der Meinungen. Einige Probenwerden uns aber mit den Ähnlichkeiten bekannt machen.
Wenn in den sächsischen Münzschriften und bei Melchiorvon Osse über den Luxus geklagt wird, von dem Osse sagt: