»Der Luxus sei ein Verderb, denn die, die ohne Vermögen seien,richte er zu Grunde, und ist eine Sache vor frembde Nation undvor die Kauffleute und Händeler, die bekommen vor unnoth-dürfftige Wahre das Geld und Güter dieser Lande, das wird inandere Lande gewandt und gehet gemeiner Nutz dieser Lande,welcher durch Geld und Gut der Landwirte, nicht weniger dennein menschlicher Leib durch Adern und Blut erhalten wird, zuboden« 5 ), so sind das dieselben Ideen, wie wir sie im 17. Jahr-hundert wiederfinden, wo es vor allem den Kampf gegen Frank-reich gilt, das seine wirtschaftliche und politische Übermacht auchdie deutschen Staaten sehr fühlen ließ. Becher, Hornigk undSchröder denken hierin genau wie Osse. Hornigk unterscheidet»zwei ungleiche Gattungen« der »Handelsschafft«, die eine ziehtGeld ins Land, verhandelt fertige Fabrikate ans Ausland, sie soll»wie auf Händen getragen« werden. Die andere Art aber kauft»Manufakturwaren außer Landes«, um sie im Land zu verkaufen,und bringt das Geld ins Ausland. »Das ist«, sagt er, »eine nichts-würdige, verderbliche und unerträgliche Krämerey« 6 ). Aus dem-selben Geist spricht der Vers Bechers im »Politischen Diseurs«,der das Begnügen mit den heimischen und Fernhalten der fremdenWaren verlangt:
»Deutschland hat zu seinem Schaden /
O der großen Raserey!
Frembde Kaufleut eingeladen /
Daß es ja bald Geldarm sey /
Frembde Wahren / welche leyder /
Bringen nichts als frembde Kleyder,
Dadurch wird die Teutsche Welt /
Reich an Hoffart / arm an Geld 7 ).«
Man könnte für diese Gedanken noch viele ähnliche Stellen,so von Schröder, Seckendorff und anderen anführen. Sehenwir hier das nationale Empfinden als das Leitmotiv, so auch beiallen anderen Ideen: der eigene Staat soll der erste werden, dazumuß er aber in jeder Beziehung stark sein. In diesem Sinnekann das berühmte Wort Bechers »volckreiche nahrhaffteGemein« als Motto für alle kameralistischen Schriften gelten,denn ein Staat ist, wie er sagt: »je volckreicher ... je mäch-tiger« 8 ). Becher fordert die Gleichachtung aller Stände, dennalle tragen zur Hebung der Volkswohlfahrt bei: »wo kein Bauerist, da hat der Handwerker nichts zu arbeiten, und wo nichts be-arbeitetes da ist, da kann auch der Kaufmann nichts verkaufen« 9 ).Keineswegs ist ihnen der Ackerbau gleichgültig. Es gelten all-