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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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gemein die neun Regeln, die Hornigk aufstellt mag auchmancher im einzelnen davon abweichen in denen er fordert:die genaueste Erforschung des Landes, daß auch »kein winckel /kein erdschollen / ob er des bauens fähig / unbesprochen« bleibe,und die Verarbeitung der Rohstoffe im Lande, wozu aber dienötige Bevölkerung gehöre. Er verlangt ferner, daß Gold undSilber »in keinerley weiß noch wege / es sey für was es wolle / soviel nur immer möglich / wieder hinaus zu vertragen« sei, dieLandesbewohner sollten sich mit den einheimischen Dingen be-gnügen und nur das Allernotwendigste von den Fremden beziehen.»Sothane fremde waaren« sollen aber nur als Rohmaterial ge-nommen und im Lande verarbeitet, und die überflüssigen Güterim Ausland abgesetzt werden. Schließlich, mahnt er, sei keines-wegs zu gestatten, Waren, die schon da sind, einzuführen, auchwenn sie besser seien. »Dann da hat alle freundschafft ein ende /wo solche zu meiner Schwächung und verderbung angesehen«.»Dann besser wäre / es komme auch einem übel berichteten soseltzam vor / als es wolle / für eine waare 2 thaler geben / die imlande bleiben / als nur einen / der aber hinaus gehet« 10 ). Ich betonenochmals, daß die Grundgedanken das Bindeglied waren, nichtdie Einzelheiten, das hat man oft übersehen. So ist Schrödergegen Geldausfuhrverbote, wie schon oben (S. 44) erwähnt.

Neben diesen Ideen bezeugen noch andere, bisweilen sehrinteressante Vorschläge die merkantilistische Auffassung derKameralisten. So befürwortet Becher die Errichtung eines Werk-hauses, das zur Arbeit erziehen soll, in dem man auch Verbrecherbeschäftigen könne. »Denn was nutzet ein Dieb, der gehenktworden, sich oder diesem, dem er gestohlen?« 11 ) Die Verwirk-lichung dieses Planes führte er im Aufträge Leopolds I. vonÖsterreich auf dem Berge Tabor bei Wien aus, Wilhelm vonSchröder wurde sein Nachfolger in der Leitung. Er verlangtferner ein Kauf- und ein Provianthaus, eine Land- und eine Leih-bank. Ähnlich wie er schlägt Schröder eine Lombardbank vorund legt in seinem Werke ganz genaue Pläne dar.

Man kann sogar behaupten, daß den Kameralisten wie denmeisten Merkantilisten weltwirtschaftliche Ideen nicht fern-lagen. Es fragt sich nur, was wir unter dem Begriff Weltwirt-schaft verstehen wollen. Wir müssen die Weltwirtschaft nur alsEpisode der Volkswirtschaft auf fassen und können in ihr keineneue Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung sehen, da sie »bisjetzt wenigstens keine Erscheinungen hat hervortreten lassen, die