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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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nationale Arbeitsteilung dachten sie noch nicht (vgl.oben S. 49/50).

Vor allem Becher huldigt weltwirtschaftlichen Ideen, er be-fürwortet einen Nordostseekanal und tritt für den Handel mit allerWelt zu Wasser und zu Land ein, der nicht durch zu viel Zöllegehindert werden dürfe. Für ihn verlangt er Handelsgesellschaften,denn es sei besser, »daß man gewisse Kompagnien fundiert, dererman versichert ist und welche man an gewisse Gesetze bindenkann, als daß man den Handel eines jeden Belieben überlasse« 16 ).Wohin der Kaufmann sich wenden soll, zeigen seine mehr gutgemeinten als gut gereimten Verse:

»Wer Pecking hat gesehen /und darff nach Agra gehen /wie auch nach Isspahan /

Und zu Byzantz beykehren /

Zu Lisabona lehren /

Was in Madrit gethan.

3 -

Und wen die See thut tragen /nach Stockholm / Koppenhagen /nach Londen und ParißWer in der Moscau handelt /und viel zu Cracau wandelt /der siht die Welt gewiß.

2.

Nach Rom man billig reyset /wo man viel Sachen weiset /wers waget nach Florentz /wer selben Weeg wil gehen /wird da viel Sachen sehen /ein schöne Residentz.

4 -

Wien / München / Trier / Dresen /wer zu Berlin gewesen /

Bonn / Heydelberg und Maintz /der hat die Welt gesehen /darff nicht viel stille stehen /und ist kein fauler Haintz.« 16 )

[Sein Kommentator Zincke hat nicht unrecht, wenn er be-merkt: »Jetzt ist D. Becher in unsern Ohren ein schlechter Poeteund nicht einmal ein guter Reim-Schmidt« 17 ).] Jedenfalls zeigen dieseStellen, wie weit die Pläne mancher Merkantilisten in durchausorigineller Weise gingen. Daher hat Conrad völlig unrecht, wenner sagt: »Die deutschen Merkantilisten können auf Originalität derAnschauungen keinen Anspruch machen« 18 ). Ein solcher Ausspruchzeigt Unkenntnis der Quellen*). Diese Zitate aus merkantilistischenSchriftstellern von denen die bedeutendsten: Becher, Schröderund Hornigk zu Wort kamen sollten nicht ausführlich sein,sondern nur beweisen, daß diese Volkswirte in Fürstendiensten,die Kameralisten, alle Merkantilisten waren; ihr Ideal ist:die national geeinte Volkswirtschaft.

Aber nicht alle deutschen Merkantilisten sind Ka-

meralisten: die merkantilistische Bewegung war überall, sie hatte

*) Wenn Conrad die erste Stelle Klock zubilligt, dann ist seine Behauptungnicht so verwunderlich, aber schwerlich kennt er auch ihn. Nielsen weist jetzt nach,wie unoriginell gerade Klock ist (S. a. a. O. S. 61/62).