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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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auch das Volk ergriffen, wofür die vielen Flugschriften diebesten Zeugen sind. Das zeigen die Pamphlete für und wider diedie Akzise zu Ende des 17. Jahrhunderts, nämlich die »EntdeckteGoldgrube« des Schreibers Tenzel, die »Geprüfte Goldgrube oderUniversalaccise« 1687 und all die anderen. Weit bessere Beweisesind aber die Flugschriften, die in nationaler Begeisterung zumKampf gegen Frankreich aufrufen, wie »Teutschland über Frank-reich/wenn es klug seyn will« 1684, ferner »Das von Frankreichverführte Teutschland« 1686. Wir finden hier genau dieselbenIdeen, die die Kameralisten, vor allem Hornigk, vertreten. Sowenn es heißt: »Teutschland ist an Naturalibus und Reichthumb /wegen deß edelsten Landes und derer herrlichen Bergwercke /allen seinen Benachbarten weit überlegen gewesen / und kan esnoch seyn: Nachdem es aber mit frembden Nationen sich ver-tieftet / in Permutation der Wahren keine Gleichheit gehalten /und Geld gegeben / keiner oder weniger gezogen / in die när-rischen Manufakturen sich verblendet / darumb gereiset; so weißalle Welt / und lachet darüber: Das / was der Teutsche / mit sauremSchweiß und Lebensgefahr / aus der Erden herauskratzet / dasgiebet er denen Franzosen und Holländern Millionenweise / wieschon offt specificiret worden / vor Lumpen und gemahlete Spinnen-weben.« »Frankreich '/ Spanien / Engelland / Italien alles fabriziretund schicket uns zu / nur der einfältige Teutsche fabriziret nichtoder wenig; giebet lieber seine schönen Thaler und Ducatendenen Franzosen / biß er selbst keine mehr hat« 19 ). Hornigk weistdarauf hin, daß er durch die »Tractätlein« zu seinem Buch veran-laßt sei 20 ), sein Ideal ist eben: »Österreich über alles, wann es nurw T ill«, denn Schätze habe es genug, deshalb predigt er ebensoscharf den Kampf gegen Frankreich : die »Französische Manufak-turen«, das seien die »rechte Blut-Egel« 21 ). Die Ideen lagen inder Luft, die Kameralisten huldigten ihnen wie alle anderen, diean den Merkantilismus glaubten, aber nicht jeder, der so dachte,war deshalb auch ein Kameralist, dazu fehlte ihm die Stellungzum Fürsten . Hätten die deutschen Autoren und Nielsen diesenUmstand beachtet und die Volksschriften mit den Büchern derKameralisten verglichen, dann hätten sie wohl nicht sofort erklärt:Kameralisten seien die deutschen Merkantilisten. Von einerapriorischen Gleichsetzung beider Begriffe kann, wie wir sahen,keine Rede sein. Denn der Merkantilismus war die Zeitbewegung,die die aufgeklärten Köpfe erfüllte; voran die Kameralisten. Someint Becher treffend: »Denn unter hundert tausend Menschen