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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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Fürst gleich einem haus-vater«. »Nun muß ein haus-vater seinenacker düngen und pflügen / will er davon etwas erndten. Die teichemuß er mit guter Brut besetzen / will er denselben zu seiner zeitfischen. Das vieh muß er mästen / will er es schlachten / und dielcühe muß er wohl füttern / wann er will / daß sie sollen viel milchgeben. Als o muß ein Fürst seinen Unterthanen erst zu einer gutennahrung helffen / wann er von ihnen etwas nehmen will« 28 ). Auchsagt er einmal: »Jn Monarchia ist allein erlaubet / wenn es nichtanders geschehen kan / daß ein Fürst seiner person eigene Con-servation / der unterthanen Wohlstand vorziehe« 29 ).

Wir würden noch viel mehr solcher Aussprüche finden, abertrotzdem können wir die alten Kameralisten auf keinen Fall nurals Privatwirte ansprechen, wie man das bisher so häufig getanhat, so wenn Roscher die »Kameralwissenschaft« der »Privat-ökonomie« gleichsetzt (s. ob. S. 8), oder wenn Small sie »fiscalists«nennt. Das fiskalische Prinzip war ein nebengeordnetes in ihremWesen, weil sie viel zu sehr Volkswirte waren. Um eine Trennungs-linie zwischen ihnen und ihren Mitbeamten, deren Namen längstverschollen sind, und die weit eher der Fluch der privatökonomi-schen Engherzigkeit träfe, weil ihr Horizont durch das Kammer-interesse begrenzt war, zu ziehen, habe ich jene als »Fiskalisten«(s. ob. S. 86) bezeichnet Nun sind auch hier die Grenzen wiederflüssig; das 1 6. Jahrhundert ist erst Beginn einer neuen Zeit, daherist es erklärlich, daß die Münzschriftsteller, Osse, Obrecht, nochrecht stark fiskalistisch angehaucht sind, aber ein Osse betontmit aller Schärfe: man darf »der Herren und der Lande Wohl-fahrt« nicht voneinander scheiden 30 ): »denn ein Herr und Regent,ist seinem ihm von Gott befohlenem Volck dreyerley schuldig:nehmlich daß er dasselbige in gutem gedeylichen wesen erhält,welches als dann beschicht, wenn das Volck tugendhafftig lebt,und etliche unter ihnen zur Lahr , guten Künsten gefördert . . ,und daß die Unterthanen an Gute und Vermögen zunehmen undalles, dadurch solche gemeinnützige Sachen Verhinderung haben,durch den Herrn verhütt oder abgewant werde« 31 ). Weit erhabeneraber ist der Standpunkt des großen Münzschriftstellers am HofeHerzog Georgs von Sachsen, in dem wir einen Vorläufer derKameralisten zu erblicken haben. Er sagt: »Wiederumb ist derObirkeit auffgelegt der unterthanen / nutz unnd bestes zuvor-fügen / bey jrer Seligkeit. Darumb sie auch um der bösen un-vorstendigen menschen willen / von Gott vorordent ist / und nichtdie menschen umb der Obirkeit willen. Hieraus gebirt sich / das