von großer Bedeutung. Wir müssen von der Prämisse ausgehen,daß die Geschichte den willkürlichen Begriff »Kamera-listen« geprägt und einer bestimmten Gruppe von Volkswirtengegeben hat, für den wir hier die Erklärung zu suchen haben.Becher sagt ausdrücklich: Die Kameralisten meinten zwar, wennnur die Kammergüter wohl stehen und die Kontribution richtigeinkommt, »sey alles gut«, das dürfe nicht sein, denn ein Herrmüsse der »Untertanen Bereich- und Begüterung mehr als dieseinige selbst suchen« 41 ). Selbst Schröder, den man noch amehestens rein fiskalischer Gesinnung zeihen zu können glaubte,meint: »Der Cammeralist wird für verständig gehalten / welcher dieausgaben zu beschneiden weiß«, seine Sparsamkeit bestehe aber darin,dem Fürsten das Vergnügen zu kürzen 42 ). Man sieht, wie eigentlichVerachtung aus ihren Worten für die »Cammeralisten« spricht. Soist es bisweilen noch bei den neueren Kameralisten. Zincke sagteinmal: »Das waren die besten Cameralisten, die nur allerhandAuflagen ersinnen und durchtreiben konnten« 43 ), und dann sprichter von »niederträchtig geizigen Camerales«, es »sind eben diejenigen,die das Interesse der Fürsten mit den Augen eines Privatwirtsansehen und solche dem gemeinen Interesse des Staats entgegensetzen« 44 ). Alle diese Stellen beweisen deutlich, daß unsere Kame-ralisten noch andere Interessen als nur die der Fürsten haben,und daß ich wohl recht tat, um ihnen den Namen, den ihnen inIronie die Geschichte gab, zu retten, die alten »Camerales« mitdem viel bezeichnenderen Worte »Fiskalisten« zu benennen.Eduard Bernstein hat sicherlich nicht unrecht, wenn er ausführt:»Bei den Praktikern bildet der kameralistische Geist eine Etiketteaus, die es verpönte, über Staatsangelegenheiten anders als unterdem Gesichtspunkt von Beamten seiner jeweiligen königlichen oderkurfürstlichen Majestät zu schreiben. Sie erlaubte nicht, die Staats-weisheit anders denn als Weisheit aufzufassen, wie des Herrschersvon Gottes Gnaden Domäne, genannt Staat, am besten zu ver-walten sei. Die Gelehrten aber sind entweder nur Erklärer oderVerbrämer der in dieser Enge auf gefaßten Praxis oder flüchtensich in die spekulative Betrachtung, bei der Wirklichkeit undTheorie in schier unüberbrückbaren Gegensatz kommen. Dahertrotz rühmenswerter Ausnahmen die große Unpopularität diesesZweiges der Literatur bei uns« 46 ). Wenn wir das Beieinander vonvolks- und privatwirtschaftlichen Momenten im Wesen der Kame-ralisten definieren wollen, müssen wir sie, da wir nur mit unserenBegriffen operieren können, wollen wir sie wirtschaftlich einreihen
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 7
Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.