Die späteren Schriften sind zwar nicht in gleichem Maße dieVerwirklichung des fürstlichen Willens, aber sie haben den gleichenZweck, auch sie wollen lehren und bessern, wollen Vorschriftengeben. Die Durchführung der merkantilistischen Ideale ist imKern in ihnen allen das Ziel. Die Frage, die sie sich vorlegten,formuliert Small sehr gut mit den Worten: »What programm musta wise government adopt, in order first and foremost to be adequatelysupplied with ready money, and thus able to discharge the dutiesof the state in their various Orders of importance?« 48 ), denn »theforemost consideration was ways and means to protect the statein the constant struggle with other States« 49 ). Darum wäre es aberbesser, wenn Small bei den Kameralisten nicht von einer »Science « 50 )spräche. Ihre Schriften waren nicht staatswissenschaftlich,sondern politisch und technisch. Sie schildern die politischenZustände, um daran Verbesserungswünsche anzuknüpfen, verbindenalso mit der rein empirischen eine teleologische Betrach-tung der Dinge, was um so erklärlicher ist in einer Zeit, die dasgesamte politische und wirtschaftliche Leben bestimmten Ideenuntergeordnet glaubte. Deshalb bemühten sie sich, ihre Staats-auffassung aufzuzeichnen, nicht um die Wissenschaft, sondern denStaat zu fördern. Das hinderte nicht, daß sie ihre Gedanken ofttheoretisch formulierten, um ihnen größere Überzeugungskraftzu verleihen. So finden wir hier und da Weisheiten verstreut inden langen Ausführungen wie die Kornblumen auf den weitenAhrenfeldern. Wenn sie als Beamte diese Gelegenheitsschriftenverfaßten, so werden wir sie ebensowenig als wissenschaftlich an-sehen wollen, wie wir vielleicht eine noch so gut ausgearbeiteteDenkschrift des Reichsschatzamtes für ein wissenschaftliches Werkhalten. Die Auffassung jedoch, als ob die Schriften der alten Kame-ralisten nur dazu da waren, um Beamte auszubilden und zu er-ziehen, ist trotzdem falsch.
Das wird erst Aufgabe der neuen Kameralisten. Die Tren-nung zwischen diesen beiden Gruppen darf nicht willkürlich durch-geführt werden, sondern dort ist die Grenze zu ziehen, wo mandaran geht, all die Fragen und Vorschläge wissenschaftlich zubehandeln, wo wirklich eine Kameralwissenschaft entsteht unddas Beamtenmoment mehr und mehr schwindet. Dieser Über-gang vollzieht sich zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Ähn-lichkeit zwischen den alten und neuen Kameralisten ist in vielemso groß, daß es schwer wird, zwischen ihnen die Grenze zu finden.Wenn wir Seckendorff mit Justi vergleichen, erblicken wir frappante
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