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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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setzt er seine Ansichten über den Handel, das Geld (ist dabeiQuantitätstheoretiker!), den Kredit, Posten und Zeitungen ausein-ander, um sich schließlich mit dem sittlichen Zustande der Unter-tanen zu-beschäftigen. Es sind Gebiete, die er in ähnlicher Weiseschon in seinem größeren Werke der »Staatswirthschaft« be-handelt hat. Justi liefert das erste System einer Polizei und wirddamit zum »Vater der Verwaltungslehre« 69 ).

Sonnenfels stellt dem Postulat der Glückseligkeit, »eineman sich wahren aber nicht überweisenden Satz«, einen anderen End-zweck gegenüber: die »Wohlfahrt des Besten, welches nunmehrdas gemeinschaftliche Beste genannt wird, wobei das Bestedes einzelnen Gliedes, das ist der Privatnutzen, dem Erstem be-ständig untergeordnet bleibt« 60 ). Grundprinzip ist ihm die Be-förderung der Bevölkerung. Es lehre die Policeywissenschaft»die Grundsätze, die innere Sicherheit zu gründen und zu er-halten« 61 ). Daneben unterscheidet er eine Staats-, Handlungs- undFinanzwissenschaft; nur diese beiden letzten will er im Gegen-satz zu Justi als Kameralwissenschaften gelten lassen 62 ).

Dieser Exkurs über die neuen Kameralisten war nötig, weiler uns deutlich den Unterschied zwischen ihnen und den alten, diewir hier zu behandeln haben, zeigte. Die junge Wissenschaft be-durfte der Pflege durch die Universitäten, und es war FriedrichWilhelm I. , der die ersten Lehrstühle für Ökonomie errichtete.Der König hatte Mißfallen an dem Betragen der jungen Leute,die die Universitäten mit Schulden verließen, ihre Güter verschleu-derten und vom Leben keine Ahnung hatten. Daher wollte er,daß sie nicht nur Jurisprudenz, sondern auch die Anfangsgründe der»politica, oeconomica und cameralia« trieben. So gründete er 1727die erste Professur in Halle, auf die er den Praktiker SimonPeter Gasser , einen Kriegs- und Domänenrat, berief, der dort auchdas erste ökonomische Seminar abhielt. Noch im selben Jahrwurde die zweite Professur an der Universität Frankfurt a. O.errichtet und dem Professor Justus Christoph Dithmar , einemHistoriker, übertragen.

Nachdem wir so das Erscheinen der alten Kameralistenerklärt und ihr Wesen von allen Seiten beleuchtet haben, könnenwir das Ergebnis zu einer Definition*) zusammenfassen:

*) Es ist natürlich, daß auch diese Definition etwas Willkürliches an sich hat,ich muß mich aber damit trösten, daß das bei jeder so ist, weil wir es sind, die dieBegriffe an das Objekt herantragen. Schon Rau sagte: »Inhalt und Anfang der Kameral-wissenschaft ist bestimmt durch die äußere Veranlassung ihrer Entstehung, das bestehende