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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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Die alten deutschen Kameralisten sindmerkantilistische Staatsmänner, vom be-ginnenden i 6. bis zum Anfang des i 8. Jahr-hunderts, Volks- und Privatwirte zugleich,die ihre Forderungen und Ideen in nicht-wissenschaftlichen, politischen Schriftenniederlegen.

Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, wenn dem Haupt-wort alle diese Adjektiva beigegeben sind, haben wir es wirklichmit einem alten Kameralisten zu tun.

3. Wir konnten zu einer klaren Definition des Begriffes der»alten Kameralisten« nur dann kommen, wenn wir ihr Wesenerläuterten und ihr Auftreten begründeten. Damit ergibt sich dieDefinition der Kategorie »Kameralismus« als der Quintessenzall der Gedanken der Kameralisten eigentlich von selbst*). Jaman könnte bezweifeln, ob man das Recht hat, von einem Kamera-lismus zu sprechen. Unter dem Merkantilismus konnten wir einegroße Bewegung verstehen, die ganz Europa erfüllte; was aberunter dem Kameralismus? Er gleicht einer Wellenkette imwogenden Meer, die ihr Dasein der gewaltigen Strömung ver-dankt. Da wir das Wesen der Kameralisten kennen, wissen wirbereits einzelnes über den Kameralismus; ihre Gedanken werdenwir erst in den beiden nächsten Teilen der Arbeit genau kennenlernen. Hier müssen wir aber manches vorwegnehmen, was unszur Definitionsgewinnung dienen kann. Die Kameralisten alsMerkantilisten standen eo ipso unter denselben Einflüssen, die denMerkantilismus bedingten, hier wäre vor allem anzudeuten, welche

Behörden wesen. Daher keine innere Einheit. Schwierigkeit einer Definitionnach dem Wesen« (Grundriß der Kameralwissenschaft, Einleitg. I. §4). Mir scheintjedenfalls diese Definition logisch zu sein. Man muß vor allem bedenken, daß derName »Kameralisten«: überhaupt erst nach ihnen entstand. Darum gehört zuder Definition als Grundhauptwort: Beamte, Staatsmänner, und als Grund-adjektivum: Merkantilisten. Denn die Kameralisten waren mit den Kammernaufs engste verbunden, erst aus ihnen entstanden die Beamten, die für die terri-torialen Geschicke so maßgebend waren; darum haben wir die Kameralisten 1. mit denKammern in Verbindung zu setzen und sie 2. nur dann als solche gelten zu lassen,wenn sie Merkantilisten sind. Sonst könnte man jeden Schriftsteller dieser Epocheso nennen. Wer diese Definition tadelt, sollte auch bedenken, daß der Name »Mer-kantilismus« noch willkürlicher ist. Er ist als pars pro toto gebraucht, der der»Kameralisten« eigentlich als totum pro parte: nicht jeder Kammerbeamtegilt uns als Kameralist, weswegen ich diese »Fiskalisteil« nannte.

*) Das Wort »Kameralistik « würde ich nur mit dem der Kameralwissen-schaft, nie mit dem des Kameralismus gleichsetzen.