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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Momente die spezifisch kameralistischen Gedanken verur-sachten.

a. Ganz besonders ins Gewicht fällt die Ausbildung, diediese Beamten genossen. Wir haben schon betont, von welcherBedeutung für das deutsche Geistesleben die Rezeption des römi-schen Rechts und die Beschäftigung mit der Antike wurde. Durchdas Studium des Aristoteles, das, von Bodin angeregt, auchin Deutschland Wurzel faßte und von Conring ausgebaut wurde,kam man zu der Naturrechtsauffassung. Es ist unstreitig ein Ver-dienst Axel Nielsens, diesen aristotelischen Einfluß scharf betontzu haben. Er zeigt, wie neben der römisch-rechtlichen Staatsauf-fassung sich vor allem die naturrechtliche des Aristoteles in Deutsch-land durchsetzt, wie so erst eine Staatslehre entsteht, da man vonAristoteles Anschauungen lebte, so daß der »ältere Kameralismusim Zeichen des Aristoteles stand« 83 ). Er versucht bei allen altenKameralisten die aristotelischen Gesichtspunkte nachzuweisen undsieht die Ursache des Entstehens einer deutschen Kameralwissen-schaft in der Konzipierung der Ideen des griechischen Philosophen.So kann er definieren: »Die Auffassung vom Verhältnis desStaates zu den verschiedenen Erwerbszweigen, welche derZeit durch Aristoteles Politik eingeflößt wurde, kommt zumAusdruck in dem älteren Kameralismus, ja, ist sogar identischmit ihm.« »Der Staat jedoch bestand teils aus res, teils ausfamiliae; in seinem Werden war er ja durch die Vereinigung vonDörfern gebildet, die ihrerseits aus Familien gebildet waren, unddeshalb mußte der Staat nicht nur die Geldmenge, sondern auchdie Volksmenge vermehren. Um diese beiden Punkte bewegtsich naturgemäß der ganze Kameralismus« 84 ). Gerade diese Stellezeigt die Einseitigkeit Nielsens, denn Vermehrung der Geld-und Volksmenge war ein merkantilistisches Prinzip, das überallda galt, wo der Merkantilismus herrschte. Wohl ist es möglich,daß der Merkantilismus selbst Aristoteles viel verdankt, dann aberhätte dieser doch erst indirekt auf die Kameralisten gewirkt.Ich möchte auch den direkten Einfluß des Aristoteles aufdie alten Kameralisten, vor allem auf Praktiker wie Becher, Schröder,Hornigk nicht für so maßgebend halten, wie Nielsen es tut 65 ).Gerade sie wissen die enorme Bedeutung des Handwerks und desHandels zu würdigen; Becher vor allem betont, wie ein Stand vondem andern abhängt, aber Aristoteles sagt in seiner »Politik«,die doch für die Kameralisten so ausschlaggebend sein soll: »EineBevölkerung von gemeinen Handwerkern und Handelsleuten führt