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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Artikeln 4 ) finden wir als ältere: »Obrecht, Bornitz, Besold, Klock,v. Seckendorf, v. Schröder u. a.« genannt. Es dreht sich fast immerum dieselben Namen, aber bald fehlt der eine, bald der andere.Small kennt von den alten Kameralisten nur Osse, Obrecht,Seckendorff, Becher, Hornigk und Schröder. Als Kriterium mußuns die im ersten Teil gewonnene Definition dienen, wenn irgend-wie Klarheit geschafft werden soll, da wir nicht diesen oder jenenAutor der Zeit nach Belieben als Kameralisten ansehen können.Nur wer die Bedingungen der Definition erfüllt, wer also umes zu wiederholen Merkantilist, Volks- und Privat-wirtund Politiker ist, kann zu den alten deutschen Kameralistengerechnet werden; alle übrigen haben auszuscheiden.

Das sind zunächst die allgemein merkantilistischenSchriftsteller, die in keiner Beziehung zum Fürsten standen, wiez. B. die anonymen Autoren der Flugschriften: »Deutschland über Frankreich / Wenn es klug seyn will«, 1684, und »Das vonFrankreich verführte Deutschland «, 1686; dann auch Gelehrte,wie Conring oder Pufendorf , die wohl Volkswirtschaftliches inihren Werken gaben, auch den Höfen nahestanden, die man aberkaum als Beamte und nicht einmal als Merkantilisten ansehen kann.Schließlich gehören auch Bornitz, Besold, Klock und Faustnicht zu den Kameralisten, obwohl sie sehr oft dazu gerechnetwerden. Small behandelt sie auch nicht, ohne sich zwar die Fragevorzulegen, warum er diesen oder jenen Autor fortlassen müsse.Daher hat Nielsen unrecht, wenn er ihn angreift: »Charakteristischfür die gangbare Auffassung des Kameralismus ist es, daß Small. . . Obrecht eine ausführliche Besprechung widmet, während Be-sold und Bornitz nur im Vorübergehen erwähnt werden, unddoch verdienen diese Schriftsteller eine weit ausführlichere Be-sprechung als Obrecht« 6 ). Aber nur wenn man wie Nielsen Ka-meralismus = aristotelische Staatsauffassung setzt; doch ist gezeigtworden, daß diese Gleichung nicht stimmt. Ich finde, es ist geradedie »gangbare Auffassung des Kameralismus« Bornitz, Besold usw.zu den alten Kameralisten zu zählen, was Lexis, Roscher u. a.beweisen, und wenn Nielsens Definition die richtige wäre, könnteman noch weit mehr Kameralisten finden. Eine Prüfung derSchriften dieser Autoren wird beweisen, daß wir sie ausschließenmüssen.

a. Wenn man die Werke des Jacob Bornitz kennen gelernthat, ergibt sich, daß er kein Kameralist ist. Bornitz war zwarkaiserlicher Rat ein Titel, der in dieser Zeit gern und oft ver-

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