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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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läge von Fischweihern, die Geflügelzucht, Imkerei, Pflege des Seiden-baus: denn bisher bezogen die Deutschen von den Italienern die»Seidenlumpen«, und »sie nehmen und haben das gute Gelt«. Wennaber die Preise wachsen, werden die Deutschen sich mit denheimischen Waren begnügen müssen: »so wird das gute Gelt wohlim Lande bleiben« 56 ). Dem Ackerbau zählt Bornitz, wie viele Schrift-steller seiner Zeit, auch den Bergbau zu. Er bespricht ausführlichdie Arten der Metalle und ihre verschiedenen Verwendungszweckefür Geräte aller Art, und als Heilmittel. Zu ihnen zählt erauch die »Sauwerbrunnen / warme Bäder / unnd Saltzbrunnen / oderSählen« 57 ).

Der Zweite Tractat befaßt sich mit der Gewerbepolitik:»Opificia et Artificia«. Die Natur ist zwar überall vollkommen,Gott hat den Menschen alles gegeben, aber manches ist verborgenund muß erst ans Licht gebracht werden. So erkennt er die Naturund die Arbeit als Produktionsfaktoren an: wer wollte essen,ohne daß vorher gekocht wäre? Wer den Wein trinken, ohne daßer vorher gekeltert wäre? fragt er 68 ). Produzieren ist ihm keinNeuschaffen, sondern ein Verwandeln. Die Fürsten müssen dieHandwerker unterstützen und fördern. Ein Staatsmann hat daraufzu sehen, daß die Rohstoffe, wenn sie aus der Erde geholt sind,nicht anderswohin ausgeführt werden; das gelte besonders fürWolle und Eisen. Ein und dasselbe könnte die verschiedenstenFormen annehmen, daher seien vielerlei Handwerker erforderlich,die wiederum lebhaften Handel hervorriefen. So kann der Staatreich und bevölkert werden; aber die Einfuhr dessen, was Luxusund Faulheit erzeuge, müsse man verhindern. Denn damit werdendie Bürger um ihr Geld geprellt, das beste Geld entführt, und siemit Schuppen und Gelichter (squamis quisquiliisque) behängt 59 ).Die Stelle zeigt, daß auch Bornitz einen Hauch von dem merkan-tilistischen Geist verspürte, der seine Zeit erfüllte. Sonst aber huldigter durchaus den alten zünftlerischen Ideen. Sehr wichtig erscheintihm ein guter Handwerksunterricht. Gute Lehrer haben dieLehrlinge zu unterweisen, solange, wie jeder Zweig es erfordert.Dann erfolgt die Wanderschaft; wer sich als Meister niederlassenwill, hat danach ein Meisterstück zu liefern. Kein Handwerker sollmehr Gewerbe treiben als eins, den einzelnen Zünften sind Privilegienzu verleihen, und mit Schärfe ist gegen die »Störer« vorzu-gehen. Ferner ist zu achten, daß der Staat wegen Mangel oderÜbermaß an Handwerkern nicht Schaden erleidet: daher sollen sieim ganzen Lande richtig verteilt sein. Er empfiehlt ein Werkhaus