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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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allem Überfluß aber kein Geld hat; Pflicht des Fürsten und Staats-mannes ist es also, Geld anzusammeln und herzustellen. Nur inder Not soll es erlaubt sein, geringwertige Münzen auszuprägen,aber nicht ohne Zustimmung der Untertanen. Denn wenn diesder Fürst zu seiner Gewohnheit mache, dann gleiche er einemTyrannen und keinem Landesvater, weil er die Untertanen be-raube, um sich zu bereichern 73 ). Trotz der Warnungen, die Bornitzin dieser Schrift ausspricht, lagen ihm rein politische Ab-sichten fern, dazu war er zu sehr Gelehrter und Lehrer desStaatsrechts.

Das sehen wir auch aus dem »Discursus Politicus DePrudentia Politica Comparanda« 1602. Bornitz will in diesemBuch Anweisungen zum Studium der Staatsklugheit geben.Nach eifrigem Studium der politischen Schriftsteller müßte aus denalten ein neues System gebildet werden. Es sei zu untersuchen,was der Staat und die Gemeinde seien, von wem die höchste Ge-walt stamme, welche Regierungsformen beständen, was alles zumbürgerlichen Leben notwendig sei. Als echter Anhänger Bodinsmeint er, nur zu oft lernten die Schüler Falsches und Schlechtes,»puta si in Machiavelli , aut alius Pseudopolitici dogmata incidant« 74 ).Deshalb wären gute Lehrer, die Lektüre der Geschichte und derDichter, aber auch Wanderungen vonnöten, um fremde Länderund Sitten kennen zu lernen. Nur wer so gebildet würdeund ein guter Mensch sei, könne wirklich ein Politicus genanntwerden.

Ich habe mit Absicht die Hauptwerke des Jacob Bornitzetwas ausführlicher betrachtet, um zu einem negativen Resultatzu gelangen, dem Beweis meiner oben aufgestellten Behauptung,nämlich, daß er kein Kameralist ist, ja wohl kaum als Merkantilistangesehen werden kann. Seine Bücher sind völlig unpolitisch,von der hohen Warte des Gelehrten geschrieben, der es ver-schmäht, sich in die Kämpfe zu mischen, und keine Forderungenerhebt. So wird er mit Recht ausscheiden.

Dasselbe gilt von Christoph Besold ( 1577 bis 1638), von demRoscher schon sagt 75 ): »Der Merkantilismus von Besold istweniger ausgebildet als der von Bornitz.« Nun viel »weniger aus-gebildet« kann er schon kaum noch sein: sagen wir lieber, auchBesold ist kein Merkantilist, ebensowenig wie ein Kameralist:er war Jurist. Seine »volkswirtschaftliche Lehre ist doch vielfachmehr ethisch als ökonomisch gehalten«, meint Roscher. SeineAnschauungen sind denen von Bornitz sehr ähnlich.