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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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So werden wir in seinem »De Aerario Publico Dis-cursus« 1615 wenig neue Ansichten finden. Mit dem Satz, denalle Welt aussprach, beginnt auch er: »Pecunia rerum gerendarumNervus est & sine Sumptibus non ulla Respublica consistere potest« 76 ).Er hält die Anlage eines Staatsschatzes für sehr wichtig, willaber unter dem Begriff des Geldes sehr viel zusammengefaßtwissen: »Pecuniae adpellatione non tantum comprehendo Numos,aut etiam Aurum Argentumve non signatum; sed omnia quaeaestimari possunt« 77 ). Aber nicht nur aus den öffentlichen Güternwird der Schatz unterhalten, sondern auch durch mannigfache Bei-träge. Denn weil es dem Bürger gut geht, und er etwas besitzt,und weil er frei und glücklich lebt und genießt, und diese Wohl-tat dem Staat verdankt, deshalb ist es nicht nur nötig, sondernauch billig, wenn er etwas von seinem Gewinn zum Gemeinwohlbeisteuert 78 ). So verteidigt Besold die Steuer mit der Idee dergenerellen Entgeltlichkeit, betont aber auch, daß die Spar-samkeit die beste Steuer sei. Daher müsse sich der Fürst desLuxus enthalten. Zur Vermehrung des Schatzes schlägt erdieselben Mittel wie Bornitz vor: Strafgelder, Kolonisierung, Re-galien, Montes pietatis, Legate usw. Beizeiten soll an die Not ge-dacht werden, damit die Untertanen nicht zu sehr bedrückt werden.Aber es ist nicht nur nötig, daß ein öffentlicher Bedarf vorliegt,es müssen ihn auch die Stände anerkannt haben 79 ). Es ist gut,wenn der Reichtum den Privaten bleibt, »ne pecunia ad exterospervenire possit« 80 ). Nützlich sind auch Zölle, die die Fremdenmehr als die Einheimischen belasten sollen. Auch Besold fordertSchätzung nach dem Vermögen, nicht nach der einzelnen Seele ausGerechtigkeitsgründen. Schließlich könnten die Fürsten noch aus derVerringerung der Münzen den Schatz vermehren, aber aucher warnt eindringlich das könne nie ohne Schaden der Unter-tanen geschehen. In äußerster Not könne ein Stück des Landes er schließt sich hier Obrecht an abgetreten werden, dochnur mit Zustimmung der Stände. Für die Verwaltung des Schatzesfordert er Quästoren. Zum Schluß verlangt er »Tauff und TodtenBücher / Stewr Bücher« und ein »Breviarium «, das dem Fürstenüber alles Aufschluß gebe 81 ).

In seiner Staatsauffassung steht Besold ganz unter demEinfluß Bodins und Aristoteles , was er auch selbst bestätigt;daher erklärt sich der stete Gegensatz zu Machiavelli : In den»Politicorum Libri duo« 1620 sagt er vom Staat: »Respublicaita definiri posse videtur: ut sit hominum plurium, ac rerum priva-