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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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unmöglich beilegen, denn was er in seinem riesigen Folianten vonüber 1000 Seiten: »Consilia Pro Aerario Civili, Ecclesiasticoet Militari, publico atque privato« 1641 gibt, ist wirklich nur»ein gräßliches Sammelsurium, dessen Einteilung in Classes,Consilia und Ordinationes eben nur die äußerste Systemlosigkeitist«, wie Roscher treffend bemerkt 86 ). Eine Darstellung seines»Systems« ist daher unmöglich, auch unnötig; nur einige inter-essante Stellen seien hier angegeben, um sein Wesen zu kenn-zeichnen. Er will gar nicht originell sein, denn: »Quod in pluribusTractatibus atque libris antea insertum inveniebatur . . . ecceomnia ista pro Aerario conscripta Jura, inventas Artes & collectaRemedia in unico jam Fasciculo . . . universali compilata reperies« 87 ).So treffen wir auf Schritt und Tritt Meinungen Bodins, Tholo-sanus, Waremunds, Besolds, Bornitz, Elychnius usw., und nur seltenauf seine eigene. Im allgemeinen sind es Finanzfragen, die erbehandelt, die sich auch bei ihm um die Errichtung und Vermeh-rung eines Staatsschatzes drehen. Die Mittel kennen wirschonaus den Werken Bornitz und Besolds. Im sechsten Kapitel be-klagt er den Untergang des Goldes und Silbers, da infolgeder vielen Kriege viel verloren gegangen sei: »Ich halte gäntz-lich dafür / daß des Golds und Silbers auff den heutigen Tag nochgenug / ja auch überflüßig / gleich wie bey der alten Zeiten / vor-handen sey / wann wirs allein sehen und erkennen solten. Daßaber darbey auch ein großer ansehenlicher theil diser beyden / edlen /werthen Metallen still lige / nichts nutze / ja darzu verderbt / ver-wüstet / unnd gantz verlohren werde« 88 )*). Viel Gold verschwindedurch das Vergolden, davon habe man so viel »eben als wann erdas Gelt ins Wasser geworffen hette.« Deshalb müsse dem ent-gegengetreten und das viele Goldtragen wieder verboten werden,man soll auch das Gold »von den Silber Geschirren in großerquantitet . . . abtreiben.« »Dann es gehet jederzeit der dritte Theilan jeder Ducaten ab / wann aller Unkosten gerechnet wird; . . .und dann so viel an Werth deß Gelts viel Jahr ohne Nutz stillgelegen zugeschw eigen / was die Metall wider umbzusetzen / undvon newem zu vermüntzen kosten. Welches denn auch ein Ursachdes allgemeinen Schadens im Reich ist / daß nämlichen alle Sortenim Valor und Werth so hoch steigen . . . Dann wann nicht soviel Millionen Gold still legen / oder verderbet weren / oder nichtmit so großen schaden und Verlust müsten repariert unnd wider-

*) Bezeichnend für Fausts Systemlosigkeit ist, daß er in den meisten Kapitelnsich der lateinischen, in einigen aber der deutschen Sprache bedient!