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gebracht werden / so würden sie ja nimmer in solchen hohen Preißsteigen können« 89 ). Faust sucht hier also die Gründe der Preis-steigerung zu erkennen; es läßt sich nicht leugnen, daß er quan-titätstheoretische Ahnungen hat. Für schädlich hält er deshalbauch die Kipperei, die in alle Stände gefahren sei: »Unterdessenaber unnd zugleich ist auch die unerhörte Thewrung uh Steige-rung alles / deß so der Mensch und das Viehe zu genießen hat /erfolgt.« »Dann durch Schmälerung und Verfälschung der gutenSorten / werden alle Kaufhandlungen geschwächt und ruinirt.«»Dieweil das Gelt ein sonderbare Gabe GOTtes / unnd fürnemb-stes Mittel ist / dardurch alle Stände / und Aempter ihre Commu-nion / Gemeinschafft / Vergleichung und Einträchtigkeit erhalten /und fortsetzen mögen; und aber nun dasselbe verderbt / und ge-fallen, so kan und wird anders nichts / als eine meta barbaries,wie bey den wilden unverständigen Indianern erfolgen« 90 ). Dannmuß jeder Stand und Beruf im Lande leiden. Deshalb empfiehlter strengstes Vorgehen gegen die Münzfälscher. — Im Cap. XI.fragt er »durch was Mittel und Wege / eine jede Obrigkeit / be-vorab in Teuschland / ihre Schatzkammer oder Aerarium, füg-lich und wol vermehren könne« und gibt als Antwort dieselbenMaßregeln, die wir bei allen diesen Schriftstellern antreffen. Cap.XV. behandelt dasselbe Thema; hier gibt er wenigstens einigevolkswirtschaftliche Bemerkungen. Er erklärt die Vermehrungdes Volkes für nützlich, für die aber genügend Nahrung vorhandensein müsse, wozu Landwirtschaft, Handwerk und Handel diene.Bisweilen dürfe auch der Fürst Handel treiben, »wann der privatPersonen Güter und Vermögen sich nicht so weit erstreckenthete«, wenn Private zu viel Reichtümer damit sammelten und,»wann solche Händel und Gewerbe dienen und gerichtet sind / zugemeynem Heyl / Wolfahrt und Wolstand« 91 ).
Faust gibt ein furchtbares Durcheinander von allerhand An-schauungen über das Staatsrecht und den Staatsschatz. Wir sehenbei ihm weder einen Zusammenhang der Einzelheiten, noch eineGrundidee, auf der das Buch aufgebaut wäre; es sind nur buntzusammengewürfelte Aneinanderreihungen allermöglichenfremden Gedanken. Die einzige Sorge, die er kennt, ist die, nurnicht irgend etwas von dem, was er je gelesen und auf gestöberthat, unerwähnt zu lassen. Unmöglich können wir ihn einenKameralisten nennen.
Weit höher als Faust steht Kaspar Klock (1583 bis 1655);von dem Stein sagt, er wäre »der erste deutsche Finanzlehrer