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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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und der Begründer, sowohl der Steuerlehre für sich, als der Finanz-wissenschaft überhaupt« 92 ), eine Äußerung, die, wie wir sehenwerden, sicherlich übertrieben ist. Klocks allgemeine volks-wirtschaftliche Anschauungen unterscheiden sich wenig vondenen eines Besold, Bornitz usw. Wie recht hat Nielsen, daßman, wenn »man mit einem Bekanntschaft gemacht hat, auch dieandern kennt; hier handelt es sich um Nuancenunterschiede, nichtum Artunterschiede.« »Die Zitate vererben sich von dem einenSchriftsteller auf den andern; die Worte gehören auch nicht demSchriftsteller selber, geschweige denn die Gesichtspunkte; die derPostglossatoren sind es, welche ständig wiederkehren, und diesehat man nicht von ihnen selbst, sondern von den Vorgängerngeerbt« 93 ).

In seinem »Tractatus Juridico-Politico-Polemico Histo-ricus De Aerario« 1651 tritt auch Klock lebhaft für einen Staats-schatz ein und betont die Notwendigkeit des Geldbesitzes, ohnedas man machtlos wäre. Er spricht es klar aus: wer Geld hat,ist reich: »Habet enim pecunia eorum bonorum aestimationem,quae älienari possunt. Eam igitur, qui possidet, dives . . . estdictus« 94 ). Die Einteilung der Ärareinkünfte ist ähnlich der seinerVorgänger in »Certi« und »immutabiles«; »incerti« und »mutabiles«,»casuales« und schließlich »ordinarii« und »extraordinarii« 95 ). Nacheiner Untersuchung der Staatsschätze aller möglichen Länder, vonFrankreich und England bis zu China und Marokko , will er dieHilfsmittel zur Bereicherung des Staatsschatzes darlegen. Er be-schäftigt sich eingehend mit der Landwirtschaft und ergeht sichin überschwenglichem Lobe des Landlebens. All diese Kapitelüber den Ackerbau, die Forstwirtschaft, Jagd, Vieh-, Bienen- undSeidenzucht sind mit merkwürdigen ethischen Betrachtungen ver-knüpft. Das Handwerk ist zu fördern, für die Armen sind MontesPietatis zu errichten, und der Fürst hat das Recht, in der Notvon den vielen Untertanen eine Anleihe aufzunehmen. KlugeFürsten sorgen auch für den Handel, aber dulden weder dieRohstoff- noch die Edelmetallausfuhr. Den Metallen erkennt ereinen Seltenheits-, Arbeits- und Nützlichkeitswert zu: »aurum,argentum, ferrum . . . sint pretiosissima, partim, quia rarä venäproveniunt, quia labore magno opere proferuntur & praeparantur,partim quia summam praestant humanae vitae utilitatem« 96 ). Erschließt seine volkswirtschaftlichen Betrachtungen mit der War-nung vor der Teilung der Lehen und der unmäßigen Freigiebig-keit des Fürsten, die wenigen nütze, vielen schade.