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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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freit sein, ihnen das nötige Existenzminimum gelassen werden,sonst soll es aber keine Ausnahme für die Adligen, Geistlichenoder Fremden geben 10 ®). Auch für die indirekten Steuern fordertKlock eine berechtigte Ursache: weil der Staat den Kaufmannschütze, könne er auch etwas von ihm verlangen. Hier tritt dasPrinzip der speziellen Entgeltlichkeit mehr als sonst in Er-scheinung. »Natürlich mußte auch hier eine justa causa zur Steuer-auflage verlangt werden, und deshalb vermochte auch kein Juristdes römischen Rechts merkantilistische Zollpolitik zu verstehen« 107 ).

Dies in Kürze die Ansichten Klocks über die Steuern. Wenner und die anderen Schriftsteller auch stark auf dem römischenRecht fußten, bleibt es doch ihr Verdienst, die alten Gedanken neubelebt zu haben, man kann sie, und vor allem Klock, deshalbdurchaus als Vorläufer unserer Finanzwissenschaft ansehen.Aber zu den Kameralisten gehört Klock keineswegs; wirsehen ihn stets als Forscher, nicht als Politiker. Der merkantilistischeGeist ist ihm ganz fremd, er kennt nicht das Ziel des erstarkendenStaates im Kampfe mit anderen, im Gegenteil »für Klock . . . warder Staat jeder beliebige Staat, nicht ein spezieller Staat, dessenInteressen es sogar auf Kosten anderer Staaten wahrzunehmengalt« 10S ).

Dieser Staat von corpus juris Gnaden »erhielt etwas Still-stehendes« 109 ), er war diesen Autoren nur das Objekt ihrer Be-trachtung; ein subjektives Miterleben, wie es der Merkantilismuserforderte, fehlte ihnen völlig: sie waren kühl bis ans Herz hinan.Es wäre wunderbar, wenn sie nicht wenigstens einige wirtschaft-liche Anschauungen mit den Merkantilisten geteilt hätten, aberdiese Gemeinsamkeit war minimal, sahen sie doch in der schutz-zöllnerischen Handelspolitik eine Verletzung des Völkerrechts. In-mitten einer Welt streng nationaler Gesinnung bildeten sie dieTrümmer der universalen Weltauffassung und folgten dem Leit-spruch: »mundus est communis patria«. Wir müssen deshalb derBehauptung treu bleiben, daß Bornitz, Besold, Faust und Klockkeine Kameralisten sind. Nielsen zählt Klock auch nichtzu den Kameralisten, allerdings weil er nicht auf aristotelischemBoden steht 110 ). Ich möchte diese Autoren deshalb unter demNamen »Juristische Steuerliteratur« zusammenfassen*).

*) Zu dieser Gruppe ist auch Theophilus Ellychnius (Gottlieb Dachtier) mitseinem 1623 erschienenen »Bedencken. Welcher massen ein Stand/sein gefellund Einkommen verbesseren mög«, das auch nur aus Zitaten besteht, zu rechnen.